Wohlfühlen im Sommer

von Astrid Eder

Ich lebe gerne an der Kante, an diesem Übergang von einem Extrem ins andere. Mein Körper fühlt sich weder im tiefsten Winter noch im höchsten Sommer wohl.  Besonders deutlich zu spüren, wenn ich an heißen Sommertagen eigentlich nix zustande bringe. Da muss das Schreiben warten, bis ich an einem kühlen Zwischentag, so wie heute, gelandet bin.

 

Schon als feldarbeitendes Bauernkind hat mir die Hitze zwischen den Kukuruzpflanzen auf den Kreislauf geschlagen. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt des Lebens auch stark mit der Natur verbunden (eben am Bauernhof) war, wäre es hilfreich gewesen, mehr von der Philosophie der TCM zu kennen. Denn der Körper wurde, neben einem Sprung in den Badesee, mit viel kalter Kost, Eis und eiskalten Getränken zu kühlen versucht. Hätte man mir doch noch nur eine Pfefferminztee eingeschenkt, während ich zwischen den Maispflanzen der Mittagshitze trotzte.

Das Feuer des Sommers

In der TCM steht der Sommer für das Element Feuer, das Klima ist heiß. Das spiegelt sich gerne in Körper und Geist wider, weshalb wir instinktiv nach Abkühlung suchen. Dieser Jahreszeit wird das Herz Chakra (Anahata) zugeordnet. Und der Herzmeridian ist auch einer jener Meridiane, die im sommerlichen Zyklusteil besonders beachtet werden. Die anderen Feuer-Meridiane sind Dünndarm, Perikard (Herz/Kreislauf) und der Dreifach-Erwärmer.

Die Energie des Feuers, die nach oben steigend ist, können wir auch in der Natur wiedererkennen. Die Pflanzen wachsen in die Höhe und öffnen ihre schönste Pracht, in Form von Blüten, sie machen sich breit, dehnen sich von der Mitte her nach außen durch viel Blattwerk aus. Nichts anderes machen wir.

Das ist die Zeit der Kommunikation, wir verlieben uns gerne, sind dynamisch und viel in Bewegung. Manchmal nimmt dies Überhand und es fällt uns schwer zu ruhen und zu rasten. Wer gut auf seinen Körper achten mag, sorgt daher auch immer wieder für Phasen der Regeneration und das meint auch, im Urlaub mal nichts zu tun, was den Körper anstrengt.

 

„In den drei Monaten des Sommers herrscht Überfluss an Sonnenschein und Regen.
Die Energien des Himmels steigen hinab, die Energie der Erde steigt auf. …
Zu dieser Zeit des Jahres mögt Ihr Euch etwas später zurückziehen,
aber Ihr solltet immer noch früh am Morgen aufstehen.
Meidet Zorn und bleib körperlich rege, um zu verhindern, dass die Poren sich schließen
und das Qi stagniert.  … Auf emotionaler Ebene ist es wichtig, fröhlich und heiter zu sein und keinen Groll zu hegen, damit die Energie frei fließen und eine Kommunikation
zwischen innen und außen herstellen kann.“ (Aus dem Buch „Der Gelbe Kaiser“)

 

Das große Yang

Die Sommerzeit wird auch als „großes Yang“ bezeichnet, weshalb es wichtig ist, für eine ausgewogene Yin-Zeit zu sorgen, um in Balance zu bleiben. Im Grunde geht es auch darum, das Nervensystem von Sympatikus (Aktivität, Tun) und Parasympatikus (Passivität, Erholen und Verdauen) im Auge zu behalten, um eine Überstimulierung zu vermeiden. Denn diese kann auch dafür sorgen, dass das Feuer des Herzens in den Kopf, den Geist, hochsteigt und wir dann zum Beispiel schlecht schlafen.

Das Herz wird in der TCM als der Sitz des Geistes (Shen) bezeichnet. Gemeint ist unser Bewusstsein bzw. unsere geistige Aktivität.  Diese drückt sich besonders in allen möglichen Emotionen aus. Diese wiederum finden Ausdruck im Körper. Egal ob Freude, Angst, Trauer, Ablehnung, Sorge … wir finden all das in unserer Körperhaltung, in unserem Gesichtsausdruck und in unserem sprachlichen Ausdruck wieder. Alle Emotionen sind in der TCM ein Symbol von Shen. Spirituell betrachtet leitet unser Herz also auch unsere Seele.

Den Herz- und Dünndarm-Meridianen werden die Funktion von Umwandlung und Aufnahme zugeschrieben. Der Herzmeridian ordnet externe Reize auf den Organismus ein und steuert daraufhin eine Körperreaktion. Störungen im Herzmeridian sind mit nervösen Spannungen und übermäßiger Besorgnis verbunden. Der Dünndarm-Meridian wandelt Nahrung in eine für den Körper verwertbare Form um. Störungen in dessen Verlauf drücken sich durch Stauungen in Nacken- und Schulterbereich, Müdigkeit, Kreuzschmerzen oder Beinkrämpfen aus. Sie stehen in Verbindung zu unterdrückten Emotionen.

Der Herz-Kreislauf-(Perikard)-Meridian und der Dreifach-Erwärmer helfen, den Qi-Kreislauf zu erhalten, indem sie nährendes und schützendes Qi in die inneren und äußeren Regionen des Körpers leiten.

Achtsam in den Sommer

Wir können Körper und Geist im Sommer unterstützen, indem wir zum Beispiel bei unseren Aktivitäten Achtsamkeit auf die Körperempfindungen und rechtzeitig eine Pause einlegen, um den Körper vor Überhitzung zu schützen. Es ist empfehlenswert, sportliche Aktivitäten eher in die Morgen- und Abendstunden verlegen. Bewegung ist auch im Sommer wichtig, damit sich die Poren nicht schließen und so das Chi stagniert. Ich liebe auch Yin Yoga-Einheiten zum Abkühlen am Abend. Das fördert guten Schlaf, selbst in heißen Nächten.

Dem Sommer wird außerdem die Farbe Rot und bitterer Geschmack zugeordnet. Das ist schon unser Hinweis, wie wir unsere saisonalen Lebensmittel für den Speiseplan am besten zusammenstellen.

Auch sollten wir im Sommer weiterhin viel Gekochtes essen. Die beliebten Grillereien allerdings, sind für den Sommer nach der TCM nicht wirklich zu empfehlen, weil sie zusätzliche Hitze schaffen. Die kann durch kühlende Lebensmittel ausgeglichen werden. Ein wenig bitterer Geschmack ist verdauungsfördernd und unterstützt auch das Herz. Bitterkeit und Groll generell sollten wir in unseren Emotionen im Sommer aber vermeiden.

Hier eine Auswahl an Sommernahrungsmitteln, die die TCM empfiehlt:
Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Zucchini, Paprika, Radieschen, Spinat, Mangold, Blattsalate, Tomaten, Gurke, Avocado, Tomate, Sprossen, Algen, Reis, Weizen, Gerste, Pfefferminztee, Sojamilch, Salz, Sesam, Miso, Sojasoße.

Und noch ein Tipp um das Feuer in uns zu beruhigen: GEHEN harmonisiert.

Ich wünsche Euch wunderbare Julitage von meinem Balkon!

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