Wohlfühlen im Frühling

von Mag. Astrid Eder

Schon vor Wochen wollte ich diesen Artikel schreiben. Das Zitat aus dem Gelben Kaiser hatte ich mir schon rausgesucht und eingetippt. Aber weil der Frühling so sehr mit dem Winter gerungen hat, und meine Energie in andere Dinge floss, sitze ich erst Ende statt Anfang April über diesen Zeilen.


„Die drei Frühlingsmonate bringen neues Leben in alle Dinge der Natur. … Es ist die Zeit, in der Himmel und Erde wiedergeboren werden. Während dieser Jahreszeit ist es ratsam, sich früh zurückzuziehen. Steht auch früh auf, macht einen Spaziergang und nehmt die frische, stärkende Energie in Euch auf. … Auf physischer Ebene … ist die Zeit für Dehnungsübungen, die Sehnen und Muskeln lockern. Auf emotionaler Ebene ist es förderlich, Gleichmut zu entwickeln, denn der Frühling ist die Jahreszeit der Leber.“
(Aus dem Buch „Der Gelbe Kaiser“)


Und während ich die Worte aus dem Zitat mit diesen vier Wochen meines Lebens reflektiere, da stelle ich fest, dass ich tatsächlich schon mitten im Frühling gelebt habe, obwohl draußen an den meisten Tagen winterliches Wetter herrschte. Früh bin ich zu Bett gegangen und recht früh auch aufgewacht. An den schönen, annähernd frühlingshaften Tagen habe ich dieses zeitige Wachwerden zu einem Spaziergang genutzt und die erfrischende Morgenluft in mich aufgenommen, bevor die Stadt rund um die Mariahilfer Straße erwachte. Diese Morgen haben mich für volle Arbeitstage gestärkt. Zweimal war ich sogar für einige Sonnengruß-Runden im Freien, um mich ausgiebig zu dehnen und die Muskeln zu lockern. Ja, und gegenüber meinen anstehenden Yoga- und Achtsamkeitsvorbereitungen habe ich in diesem Frühling wirklich Gleichmut entwickelt.

In der TCM ist der Frühling dem Element Holz zugeordnet. Die Energie des Holzes entspricht dem jungen Yang. Sie breitet sich in alle Richtungen aus, wirkt mit einer expansiven Kraft in all unsere Lebensbereiche hinein.  Dabei unterstützt sie uns unsere Visionen zu verwirklichen und unseren kreativen Geist zu beflügeln. Wenn wir die Knospen und Blüten beim Öffnen beobachten oder das Entfalten der Blätter an den Bäumen, dann erkennen wird diese elementaren Kräfte des Frühlings und nennen sie gerne: Neubeginn. Aus der Erde, der Dunkelheit treibt eine neue Pflanze und verwandelt das Abgestorbene des Winters in etwas Neues, Frisches, das sich in alle Richtungen bewegen mag. Da kommen die Frühlingswinde (der Wind ist das dem Holzelement zugeordnete Klima) als Freund und Helfer gerade recht.

Schau!

Die Sinneswahrnehmung, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin mit dem Frühling in Verbindung steht, ist das Sehen. Jetzt, da wir noch immer C-bedingt so viel vorm Bildschirm sind, um anderen zu begegnen, empfiehlt es sich besonders, die Augen zu entlasten, zu entspannen und einfach mal den Blick im Grünen (die Farbe des Frühlings) herumschweifen zu lassen.

Auch wenn für das menschliche Auge das Wachstum von Pflanzen oder das Entfalten der Blätter nicht beobachtbar ist, so können wir doch innehalten und Momentaufnahmen machen, vom Blütenstand gestern und vom Blütenstand heute. Vielleicht schenkt uns diese Tatsache auch Vertrauen in unser eigenes Wachstum und in unsere Entwicklung, die wir auch nicht klar messbar in jeder Sekunde oder an jedem Tag erkennen können, die aber trotzdem stattfindet.

In der TCM wird das Element Holz mit der Sehnsucht nach fortwährender persönlicher, geistiger und spiritueller Entwicklung in Verbindung gebracht. So ist es hilfreich, sich in diesen Monaten in Geduld und Gleichmut zu üben und Nachsicht und Mitgefühl für sich und andere zu entwickeln. Wut, Ärger, Zorn und Nicht-loslassen-können sind das eine Ende des Kontinuums der Emotionen im Element Holz. Das andere sind Mitgefühl für sich und andere, Verzeihen und offen für Veränderungen zu sein. Dazwischen liegen Willenskraft und eine klare Vision der Zukunft.

So lässt sich auch erklären, dass die TCM die körperliche Bewegung im Frühling auf Geschmeidigkeit ausrichtet und wir nicht nur die Muskeln stärken sollen, sondern auch die Sehnen und Gewebestrukturen dehnen. Wer also gerne mit einem Lauftraining im Freien starten mag, der sollte keinesfalls auf ein ausgiebiges Dehnen (besonders der Meridianlinien Leber und Gallenblase – siehe unten) vergessen. Da die Leber sehr windanfällig ist, sollte zudem besonders der Nacken gut geschützt werden (=TCM Windpunkt).

Im Element Holz sind nämlich die Organe von Leber und Gallenblase im Fokus. Der Gallenblasenmeridian durchläuft vom Auge über den Kopf bis zum vierten Zeh den ganzen Körper von oben nach unten. Er ist unter anderem zuständig für die Geschmeidigkeit von Sehnen und Bändern, unterstützt beim Aufbau und der Versorgung der Muskeln. Der Lebermeridian verläuft von den beiden Großzehen über die Innenseite der Beine bis ans untere Ende der Rippenbögen. Er verteilt Qi und Blut im ganzen Körper, stärkt die Sehkraft und ist von zentraler Bedeutung für unsere Verdauung.

Bist du sauer?

Die Geschmacksnote im Frühling ist sauer. Ein bisschen saure Nahrung wie Essig, Petersilie, Zitrusfrüchte oder Radieschen entspannt die Leber, zu viel wirkt allerdings gegenteilig. Das Chakra, das dem Element Holz zugeordnet wird, das Sonnengeflecht (Solarplexus), das ja im Ayurveda auch für Willensstärke steht.

Um in diesen Monaten die Energie des Holzes in uns zu stärken, sollten wir uns immer wieder von Neuem daran erinnern, entspannt und gelassen durchs Leben zu gehen und möglichst Extreme zu vermeiden. Hilfreich sind – neben regelmäßiger Bewegung im Freien – auch kleine Ruhepausen zwischendurch, vielleicht sogar ein kleiner Mittagsschlaf, weil die Leber am besten im Liegen regeneriert.

Und weil wir in besonderen Zeiten leben, zum Abschluss eine Affirmation, für jeden Frühlingsmorgen:

Ich öffne mich dem Gefühl der Leichtigkeit und der Freude in mir.
Ich schaue meinen Ängsten mutig entgegen.

Wunderbare Frühlingstage wünsche ich euch.

⇒ Im zweiten Teil dieser Serie gibt es ein paar passende Yogaübungen für das Holz Element. Wenn du nicht darauf warten mag, kannst du auch jetzt schon regelmäßig mit mir üben.

Das ganze Frühlings-Yoga Programm findest du auf www.pinkzebrayoga.com

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