Sommer ist Hausapothekenzeit

von Eunike Grahofer

Im Sommer haben Hobbygärtner und Kräuterkundige Hochsaison. Denn die Sonne verleiht den heimischen Kräutern die größte Kraft.

Auch in Österreich gibt es eine traditionelle Volksmedizin. Seit jeher nutzen die Menschen die Heilmittel, die ihnen die Natur zur Verfügung stellt. Früher konnten die Menschen nicht so einfach zum Arzt und in eine Apotheke gehen. Sie sammelten heimische Pflanzen und Wildkräuter und legten sich eine Apotheke für das ganze Jahr an. In diesem Artikel erfährst du mehr über die Pflanzen, die du im Sommer für deine Wildnisapotheke sammeln und verarbeiten kannst.

Sommerkräuter für mehr Energie

Sobald zu Sommerbeginn die ersten Kirschen geerntet sind, finden wir in der Natur bis in den Herbst hinein die Spitzwegerichsamen. Sie enthalten Schleimstoffe, Cumarin, Flavonoide, Öle, Carotinoide, Ballaststoffe und Kieselsäure und sind hilfreich bei Verdauungsproblemen, für Haut, Haare und Nägel, wirken darmregulierend und körperstärkend.
Vorsicht: Spitzwegerich wächst an Wegrändern. Beim Ernten darauf achten, dass man nicht an Hundepinkelwegen erntet.

Brennnesselsamen sind zuerst grün, dann bräunlich, später braunschwarz. Sobald sie braunschwarz sind, können sie geerntet werden. Das ist etwa ab Mitte August der Fall. Sie enthalten Kalium, Eisen, Calcium und Öle, wirksam nach Erschöpfungszuständen, bei Müdigkeit/Abgeschlagenheit, für das Knochengerüst, die Haare, bei Gicht, Rheuma, Bluthochdruck und Verdauungsproblemen.
Vorsicht: Menschen mit Histaminintoleranz sollten bei den Brennnesselsamen vorsichtig sein.

Beifußsamen finden wir etwa ab Mariä Himmelfahrt bzw. ab dem August-Vollmond in der Natur und danach bis in den Herbst hinein. Sie enthalten ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide und Inulin. Hilfreich bei Verdauungsproblemen, zur Körpererwärmung, für ungeduldige Menschen zur Nervenstärkung.
Vorsicht: Menschen mit allgemeiner Allergie gegen Artemisia-Gewächse sollten auch bei Beifußsamen vorsichtig sein.

Sommerkräuter zur Reinigung

Die Königskerze wirft die reifen Blüten ab, diese sammelt man zur Mittagssonne auf. Sie enthalten Aucubin, Flavonoide, Schleimstoffe, Saponine und ätherische Öle. Wirksam sind die Blüten bei Bronchitis, Asthma, Herzbeschwerden, Erkältung, Husten, Wunden, Verbrennungen, Tinnitus, Nervenschmerzen und geröteten Augen.
Vorsicht: Von der Königskerze maximal ein Drittel ihrer Blüten ernten – sie ist vom Aussterben bedroht.

Die Zwetschge erntet man nach dem August-Vollmond bis in den Winter hinein. Neben Fructose enthält sie Ballaststoffe, Fette, Proteine, Eisen, Magnesium, Kalium, Calcium, Kupfer und Zink, Provitamin A, Vitamin C und Vitamin E, verschiedene Vitamine aus der B-Gruppe. Sie wirkt abführend, nervenstärkend, hilfreich bei Gicht, Leberschäden, Rheuma, Osteoporose und stärkt das Immunsystem.
Vorsicht: Zwetschgen haben einen hohen Gehalt an Fructose. Menschen, die eine Fructoseintoleranz haben, sollten bei Zwetschgen vorsichtig sein.

Sommerkräuter zur Stärkung der Gesundheit

Harzige Zapfen sammelt man ab dem Juli-Vollmond. Sie enthalten ätherisches Öl mit den Monoterpenen Bornylacetat, Pinen, Limonen, Camphen und Phellandren, Terpentinöle sowie Harze. Wirksam sind sie verarbeitet bei Erkältungskrankheiten, Verletzungen, Muskelkater, Verspannungen, Rückenschmerzen, Gelenksschmerzen, Husten, Erkältungen und Halsschmerzen.
Vorsicht: Die Zapfen gehören dem Waldbesitzer, daher harzige Zapfen aus dem eigenen Garten sammeln oder den Waldbesitzer darum fragen.

Johanniskraut wird ab dem Johannitag geerntet. Es enthält Hypericin, Hyperforin, Flavonoide, Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öl, Harze, Taraxasterol und Phytosterole. Die Einsatzmöglichkeiten sind schier grenzenlos: bei Verbrennungen, Sonnenbrand, Verletzungen, Bronchitis, Fieber, Verdauungsschwäche, Gicht, Bettnässen, psychischen Problemen, Depressionen, Angstzuständen, Epilepsie, Kopfschmerzen, Ischias, Rückenschmerzen, Verspannungen, Muskelschmerzen, Narben, Wunden und Hautausschlägen.
Vorsicht: Im Sommer Johanniskraut nur äußerlich verwenden!

Ringelblume ernten wir ab der Sommersonnenwende. Sie enthält Triterpensaponine, Flavonoide, Carotinoide, Calendula, Bitterstoffe, Saponine und Schleimstoffe, und ist hilfreichbei Darmentzündungen, entzündeten Brustwarzen, Geschwüren, Gallenproblemen, Hühneraugen, Verbrennungen, Weißfluss, Wunden, Zahnfleischentzündungen, für Lymphe
Vorsicht: Die orangefarbige Ringelblume ist die besonders heilkräftige.

Ringelblumensalbe nach altem Rezept

1 Handvoll Ringelblumenblüten (Calendula officinalis) an einem sonnigen, trockenen Tag ernten. Es sollte auch am vorherigen Tag nicht geregnet haben, damit die Blüten eine hohe Qualität an Inhaltsstoffen aufweisen. ¼ kg Schweineschmalz auf dem Herd erwärmen, die Ringelblumenblüten hinzugeben und für 5 bis 6 Minuten ziehen (nicht kochen!) lassen. Die Herdplatte danach abschalten und die Ringelblumen-Schmalz-Mischung über Nacht rasten lassen. Am nächsten Tag erwärmen und abseihen. Bei Verbrennungen, Hautproblemen, Pigmentflecken, Ausschlägen gibt man die Ringelblumensalbe auf die betroffene Körperstelle.

Noch viele weitere Tipps von Kräuterexpertin Eunike Grahofer zu den Sommerkräutern findest du hier

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