Die Kraft der Meditation

von Renate Neuhold

Für viele Menschen in der westlichen Welt ist Meditation noch immer „esoterischer Kram“, den sie nicht ernst nehmen und ganz sicher nicht anwenden wollen. Dabei ist die positive Wirkung von Meditation auf unseren Körper und besonders in bestimmten Gehirnarealen (Amygdala) erforscht und bestätigt.

Meditation ist eine sehr alte Form von spiritueller Praxis. Ihr genauer Ursprung ist zwar nicht bekannt, aber man weiß, dass sie in Indien bereits einige tausend Jahre vor Christus praktiziert wurde. Schon in den frühesten indischen Schriften, den Veden, wird vermerkt, dass Priester und Sadhus Gebetsmeditationen abhielten. Diese frühe Form der Meditation war eine Mischung aus kontrolliertem Atmen und Konzentration auf das Göttliche. Diese Tradition wird bis heute vorwiegend in den fernöstlichen Religionen wie Buddhismus, Hinduismus und Daoismus angewandt. In der indisch-orthodoxen Philosophie des Yoga zum Beispiel unterstützt die Meditation dabei, den Samahdi-Zustand zu erlangen, der schließlich zur Auflösung des Egos bzw. des Ich-Gefühls führen soll.

 

Erreiche den Gipfel der Leere, bewahre die Fülle der Ruhe,
und alle Dinge werden gelingen

– Laotse

 

Die positive Wirkung von regelmäßiger Meditation ist mittlerweile von vielen (Gehirn-)Forschern untersucht und bestätigt worden. Allen voran ist hier Dr. Richard Davidson zu nennen, dessen erstaunliche Erkenntnisse die Akzeptanz dieser spirituellen Praxis in unserer Gesellschaft vorangetrieben haben. Er meint, dass Meditation gleich wichtig wie Zähne putzen sei und ebenso regelmäßig durchgeführt werden sollte.

Deshalb ist sie auch ein sehr wichtiger Teil des Stress-Managements. Wenn wir gestresst sind, haben wir jede Menge Adrenalin und vor allem Kortisol im Körper, welches unsere Immunabwehr und unseren Körper auf Dauer schwächt und damit Krankheiten auslösen kann. Durch Meditation können wir die Kortisolausschüttung drosseln bzw. den Kortisolabbau beschleunigen. Mit der Zeit und regelmäßiger Praxis können wir unsere Stresswahrnehmung besser kontrollieren und die körperlichen Stressreaktionen dämpfen.

Im Körper/Gehirn reduziert die Meditation die Entzündungsreaktionen, die zu chronischen Krankheiten führen können. Sie öffnet die Tür zu unserer „inneren Apotheke“, und beeinflusst sogar die Telomerase (ein Enzym, das der Verkürzung der Chromosomenenden (Telomere) im Rahmen der Zellteilung entgegenwirkt). Forscher konnten nachweisen, dass Meditation den Abbau der Telomere (und somit den Alterungsprozess) verlangsamen bzw. verändern kann: Nach drei Wochen Meditation konnten verlängerte Telomere nachgewiesen werden, nach drei Monaten sogar um 30 % mehr Telomerase. Das sind doch wunderbare Aussichten!

Meditation hat außerdem Auswirkungen auf unser Schmerzempfinden. Sie hilft bei der Verbesserung von vielen Krankheitszuständen, erhöht die Neuroplastizität unseres Gehirns und senkt außerdem die hochschwingenden Beta-Gehirn Wellen (23-38 Hz) einer gestressten Person auf die langsameren, entspannteren Alpha-Wellen (8-12 Hz).

Unserer Psyche hilft die Meditation als unterstützende Behandlung bei Angststörungen und Depressionen. Sie sorgt dafür, dass jene Gedanken an die Oberfläche und ins Bewusstsein kommen können, die sonst im Hintergrund ablaufen und uns unbewusst steuern. Generell kann man sagen, dass Meditation das allgemeine Wohlbefinden steigern kann (z.B. Shamatha Projekt von Prof. Clifford Saron).

Durch die Meditation kann man sich von der oft sehr hektischen, fordernden, stressigen Außenwelt abkoppeln und in den gegenwärtigen Moment zurückfinden. Immer wieder glauben Menschen, dass sie nicht meditieren können. Sie werden durch ihre Gedanken immer wieder aus der Entspannung abgelenkt: „Wie lang dauert das denn noch?“, „Ich habe keine Zeit“, „Ich muss noch meine E-Mails checken“, „Ich habe doch noch diese Besprechung, jenen Termin“ etc. Die Buddhisten nennen diesen unruhigen Geist, das ständige Geplapper im Kopf „monkey mind“. Unser Gehirn macht das aus Gewohnheit. Viele Menschen geben dann an diesem Punkt auf und hören mit dem Meditieren auf, weil sie sich einreden, dass sie es einfach nicht können. In Wahrheit machen sie es richtig, aber sie können sich (noch) nicht dazu bringen, immer wieder in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren.

Trainiere solange weiter, bis es dir gelingt. Konzentriere dich immer wieder auf deinen Atem, wenn du merkst, dass du in deine Gedankenschleifen abdriftest. Früher oder später wird es dir gelingen, und du gleitest ganz leicht und automatisch in den gegenwärtigen Moment und bleibst dort.

Mache Meditation zu deinem täglichen Ritual. Wie das Zähneputzen.

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