Tausendsassa Hanf

Schon vor Jahrtausenden war Hanf, Cannabis sativa, ein hochgeschätztes produkt von Mutter Natur. Lange Zeit lahmgelegt durch die Hetzjagd auf das enthaltene THC, erklimmt die Powerpflanze in den letzten Jahren langsam wieder den Status, der ihr gebührt. denn Hanf kann so viel mehr: gut 50.000 Produkte können aus dem Rohstoff Hanf hergestellt werden, der ganz besonders heutzutage für uns unverzichtbar ist.

Kaum eine Branche boomt weltweit so sehr wie der Hanfanbau, die Verarbeitung des Rohstoffs und der Handel in gleich mehreren Bereichen. In vielen Ländern werden seine Inhaltsstoffe intensiv erforscht. Experten mehrer pharmazeutischer Institute der Universitäten Graz, Innsbruck und Wien haben Hanf im Rahmen von Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) aufgrund seiner Vielfalt an interessanten pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gekürt.

Bereits 3.000 vor Christus war die Heilkraft der Hanfpflanze bekannt, schon der griechische Arzt Dioskurides führte in der Materia Medica zahlreiche Anwendungsgebiete von Hanf an und auch Hildegard von Bingen wusste über das heilsame Cannabis zu berichten. Vergleichsweise spät (1992) entdeckten Wissenschaftler, dass Säugetiere und damit auch der Mensch über ein körpereigenes Endocannabinoid-System verfügen. Die bisher erforschten Cannabinoidrezeptoren im Körper befinden sich im Kleinhirn, in den Basalganglien, im Hippocampus, aber auch im Darm und werden mit Immunsystem und Knochenbau in Verbindung gebracht. Das im Hanf enthaltene CBD (Cannabidiol) dockt an diesen Rezeptoren im Körper an und kann deren regulierende Aufgabe so verstärken.

Während Hanf den größten Teil des letzten Jahrhunderts verteufelt wurde, setzt man sich nun seit einiger Zeit auf vielen Ebenen wieder intensiv mit dieser besonderen Pflanze auseinander. Fast täglich werden neue Studienergebnisse, Bücher und Erfahrungsberichte über die vielfältige Wirkung von Cannabinoiden auf die Gesundheit veröffentlicht. Tetrahydrocannabiol (THC) und Cannabidiol (CBD) sind die beiden Hauptwirkstoffe in Hanf, die allerdings ein unterschiedliches Wirkungsspektrum haben, wie Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bauer, Vizepräsident der HMPPA, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften in Graz, erklärt.


Aus Hanf, seinen Fasern und Samen, werden Gesundheitsprodukte,
Lebensmittel, Stoffe,Baumaterialien, Seile und Taue, Papier
und mehr hergestellt. Hanf könnte gleich einige
Probleme dieser Welt auf saubere Art aus
der Welt schaffen.


Während THC für seine psychoaktive Wirkung bekannt ist, erzeugt CBD keinerlei Rauschzustände. Es soll jedoch entspannend, schmerzlindernd, entzündungshemmend und angstlösend wirken. Derzeit gibt es noch wenige klinische Studien mit verlässlichen Aussagen über den Wirkungsradius von CBD, belegt sind vielversprechende Ergebnisse bei Epilepsie, Parkinson, Angstzuständen und Schlafstörungen. Auch in der Krebsforschung gibt es bereits interessante Ansätze und auch viele Erfahrungsberichte von Anwendern zeugen von beeindruckenden Erfolgen. CBD kommt vor allem in Form von Tropfen, Tee und als Liquid für Verdampfungsgeräte in den Handel.

Während für den Anbau von THC-hältigem Hanf für den medizinischen Bereich strenge Lizenzen vergeben werden, sind von der EU für den Anbau von Nutzhanf (Cannabis sativa) einige Sorten mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,2 % freigegeben. Sie werden dementsprechend nicht als Medizinalpflanzen gezüchtet, sondern vorwiegend zu Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln, Stoffen und Baumaterial verarbeitet. Besonders in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark findet Hanf hierzulande beste Bedingungen für sein gesundes Wachstum. Der Anbau ist auch für die Landwirtschaft interessant, denn die Pflanze gilt als guter Bodenverbesserer, ist anspruchslos, pflegeleicht und besonders gut für den Bio-Anbau geeignet.

ALTERNATIVE HANF

Das Schlagwort unserer Zeit ist Nachhaltigkeit. Die Hanfpflanze erfüllt diese bereits seit tausenden von Jahren, lange bevor der Begriff überhaupt erdacht worden war! Schließlich wird Hanf zu hundert Prozent sinnvoll verwertet! Bevor Hanf kriminalisiert wurde, gab es bereits eine florierende Industrie, die vieles von Wasserflaschen bis zu Autoteilen aus Hanf produzierte.

Der Bewusstseinsschub, der nun durch die Welt geht, tut auch dem Hanf gut, denn langsam besinnt man sich wieder auf die Vielzahl von kollossalen Einsatzmöglichkeiten dieses oft verkannten Naturprodukts: Die besonders reißfesten Hanffasern werden nicht nur traditionell für die Herstellung von Tauen genutzt, sie sind auch in Bau- und Dämmstoffen, Akustikplatten, Autoinnenverkleidungen und bei der Erzeugung von Bremsbelägen sowie in der Papierindustrie zu finden.

Hanfschäben eignen sich hervorragend als Gartenmulch und Tiereinstreu, mit Hanfbriketts lässt sich gut heizen und langsam wird auch wieder an Einsatzmöglichkeiten von Hanfkunststoffen gearbeitet. Schon einige Produkte, wie beispielsweise Hanfi, der kompostierbare Blumentopf, der über ein erfolgreiches Crowdfunding finanziert wurde, führen diese neue Riege an.

Sogar als Treibstoff in Form von Bio-Diesel kann Hanföl eingesetzt werden. Biotreibstoff aus Hanföl übertrumpft Erdöl gleich in mehreren Punkten: Er verbrennt CO2-neutral, enthält keinen Schwefel, weniger Rußgase, keine Benzole und andere schädliche Aromen, gilt nicht als Gefahrengut, was die Transportkosten erheblich verringert und ist last but not least biologisch abbaubar.

In der Bekleidungsindustrie hat Hanf ohnehin schon seit jeher seinen fixen Platz, war doch die allererste Jeans von Levi Strauß aus Hanf hergestellt worden. Längst hat die faire Modebranche die widerstandsfähigen Stoffe aus Hanf für sich wiederentdeckt. Waren es anfangs eher funktionale Kleidungsstücke und Taschen, findet man heute bereits Topmodisches aus Hanffasern für die ganze Familie, sowie Heimtextilien wie Bettwäsche oder Frottierwaren.

Selbst in der Naturkosmetik spielt Hanf eine immer größere Rolle. Denn das sanfte Hanföl und CBD pflegen vor allem die sensible Haut, sind auch für Kinder und Allergiker problemlos anzuwenden und machen mit den besonderen Inhaltsstoffen auch im Bereich Anti-Aging eine gute Figur.

SUPERFOOD HANF

Seit die enorme Wichtigkeit von hochwertigen Nahrungsmitteln für unsere Gesundheit zunehmend auch in unseren Breiten eingesickert ist, ist der Begriff Superfood zu einem Trendwort in der modernen Ernährungswissenschaft geworden. Von Acai, Aronia und Baobab über Chia, Goji, Maca und Moringa bis Shiitake werden manchen Pflanzen wahre Superkräfte zugeschrieben.

Superfood – unter diesem Begriff versammelt man vollwertige Lebensmittel, deren Nähr-, Wirk- und Vitalstoffe deutlich höher sind, als in anderen Nahrungsmitteln. Dabei kommt das ›Superfood‹ möglichst naturbelassen – oft von weit her – in Bio- oder Wildwuchsqualität auf den Markt. Gerade in letzter Zeit hat jedoch so manche dieser Wunderpflanzen bei Tests gar nicht so großartig abgeschnitten.

Immer noch weniger bekannt ist, dass auch in Hanfsamen, die quasi vor unserer Haustüre wachsen, enorme Pflanzenpower für unsere Gesundheit lauert! Vor allem für das perfekte Verhältnis von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren ist etwa Hanföl berühmt, das aus den Hanfsamen sorgsam kaltgepresst wird.

Auch der hohe Eiweißgehalt der Samen, gleich mehrere essentielle B-Vitamine, Folsäure, Zink, Kalzium, Kalium, Phosphor, Vitamin E, Magnesium und Eisen machen Hanflebensmittel nicht nur für Veganer interessant.

Hanfprotein, aus dem hochwertigen Presskuchen vermahlen, enthält beispielsweise alle für den Menschen essentiellen Aminosäuren, also all jene, die unser Organismus nicht selbst aufbauen kann und die wir deshalb mit der Nahrung aufnehmen müssen. Es ist reich an verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA), die vor allem für den Muskelaufbau und die Muskelreparatur eingesetzt werden. Sein besonders hoher Gehalt an L-Arginin reguliert Blutdruck und Herz-Kreislaufsystem.

Hanf stärkt das Immunsystem, schützt mit seinem idealen Fettsäuremuster nicht nur unser Gehirn, sondern kann Cholesterin und Entzündungen im Körper senken. Laut einer Studie sollen Mahlzeiten mit Hanf sogar bei der Behandlung von Alzheimer und Herz-Kreislauf-Krankheiten wahre Wunder bewirken. Über diese sinnvolle Ballaststoffquelle freut sich übrigens auch der Darm.

Reichlich Gründe also, warum auch Hanf oft in der Liste der beliebten Superfoods auftaucht. Seit seiner Wiederentdeckung als wichtiges Lebensmittel ist Hanf für uns heutzutage beim Einsatz in der Küche allerdings noch relativ neu. Doch mittlerweile füllen reihenweise Hanfprodukte die Regale, die es uns leicht machen, Hanf in der einen oder anderen Form in unsere Ernährung einfließen zu lassen: Unterschiedliche kaltgepresste Bio-Hanföle aus ungeschälten, geschälten oder gerösteten Hanfsamen und mit Kürbiskernöl bieten für jeden Geschmack eine Alternative für den gesunden Salat. Erhitzt werden sollten die Hanföle allerdings nicht, zum Dünsten und Dämpfen können sie jedoch bedenkenlos verwendet werden.

Aber auch die Hanfsamen selbst gibt es ungeschält als ballaststoffreiche Knabberei sowie bereits geschält, um sie ganz unkompliziert über so gut wie jede Speise zu streuen und damit schon einen Gutteil des Tagesbedarf an Gesundem zu decken. Mit Hanfprotein, -Schrot und glutenfreiem Hanfmehl lassen sich nicht nur Müsli und Smoothies verfeinern, sondern auch kohlehydratarme proteinreiche Speisen zubereiten, die nicht nur bei Sportlern, Allergikern und in der Low Carb-Bewegung ihre Anhängerschaft finden. Fertige Müsli-Mischungen, Hanfriegel, Hanftees und Hanfbier stillen den Durst ebenso wie verschiedene Limonaden und Energydrinks, zum Naschen verlocken Hanfkekse, Hanfschokoladen und Hanfkuchen.

HANF für Tiere

Was dem Menschen so gut tut, kann auch Tieren nicht schaden. Im Fall von Hanf ist das jedenfalls richtig! Vor allem Pferde und Hunde lieben den Geschmack von Hanföl, -schrot und -pellets als Belohnungshappen und profitieren ebenfalls gesundheitlich. Erfahrene Pferdebesitzer wissen, dass die Zeit des Fellwechsels den Organismus der Tier belasten kann. Der Körper setzt alle Ressourcen für diesen Stoffwechselprozess ein, sodass es rasch zu Nährstoffmangel und einem geschwächten Immunsystem kommen kann.

Erfahrungsberichte von Tierhaltern, die ihre Vierbeiner speziell in der Fellwechselzeit mit Hanfkuren versorgen, zeigen, dass sogar alte oder geschwächte Tiere weniger gesundheitliche Probleme zeigen, das Fell glänzt, die Tiere vitaler wirken und der Wechsel zum Sommer- bzw. Winterfell reibungsloser und schneller erfolgt. Nährstoffmängel können auch bei Tieren Beschwerden hervorrufen. Hanf kann da mit seinen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, der Gamma-Linolensäure, den Mineralstoffen und Vitaminen für Immunsystem, Darm und Haut auch für den tierischen Organismus extrem hilfreich sein.

Damit erklärt sich der wachsende Hype um den Hanf, der es nun wohl endlich geschafft hat, sein Kiffer-Image loszuwerden, um zu zeigen, welch ein Geschenk diese unscheinbare Pflanze für Leib und Leben von Mensch und Tier sein kann!

Artikel aus CHI # 1
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