Seltene Erden – ein Lichtblick

EU-Programm Interreg will Seltenerdmetalle aus Elektronikschrott recyceln

Handys, Computer und Kameras würden ohne Seltenerdmetalle (REE/Rare Earth Elements) nicht funktionieren. Doch ihre Gewinnung ist aufwändig und umweltschädlich, das Angebot knapp, die Preise hoch.

Ein aktuelles Forschungsprojekt der IMC FH Krems und des Centrum ALGATECH der Tschechischen Akademie der Wissenschaften hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Seltenerdmetalle – kurz Seltene Erden – mit Hilfe von Bakterien und Algen ganz ohne Umweltschäden aus Elektronikschrott zu recyclen.

Innovative Bio-Technologie

Angesichts des Klimawandels und der fortschreitenden Umweltschäden sind umweltfreundliche CO2-neutrale Technologien gefragter denn je. Seltenerdmetalle ohne umweltbedenkliche Abfälle zu recyclen, ist das Forschungsziel des Projektes REEgain, das derzeit grenzübergreifend von österreichischen und tschechischen Wissenschaftlern umgesetzt wird.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

„Durch die Entwicklung neuer Technologien steigt der Bedarf an Seltenen Erden kontinuierlich an. Derzeit hat China ein Monopol auf den Abbau – dort wird allerdings keinerlei Wert auf eine umweltfreundliche Vorgehensweise gelegt“, so Prof. (FH) DI Dominik Schild, Institut für Biotechnologie der IMC FH Krems. Studien der IMC FH Krems und der Tschechischen Akademie der Wissenschaften haben gezeigt, dass Mikroorganismen wie Bakterien und Algen Seltenerdmetalle aus Elektronikschrott aufnehmen können. „Mit dem, was bei unserer Methode nach Gewinnung der Seltenen Erden übrig bleibt, könnte jeder ohne Bedenken seinen Garten düngen“, bringt es Schild auf den Punkt.

Milada Vítová und Dominik Schild (c) Martin Huleja

Grenzüberschreitende Forschungskooperation

„Dieses Projekt ist eine sehr gute Möglichkeit, zwei Länder in unkomplizierter Form zu verbinden“, so Schild. „Das Centrum ALGATECH in Třeboň liegt geografisch gesehen näher an Krems als an Prag. Wir sind seit den 1960er Jahren führend in der Erforschung mikroskopischer Algen in Europa und stolz, mit unserer langjährigen Expertise grenzüberschreitend zum Erfolg eines Projektes beizutragen, das den Ausbau wichtiger Zukunftstechnologien sicherstellt“, erklärt Prof. (FH) Milada Vítová vom Institut für Mikrobiologie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, Centrum ALGATECH.

Zum Erfolg des Projektes tragen neben den beiden Initiatoren noch zwei weitere Partner aus Krems bei: die Donau-Universität Krems und die Karl Landsteiner Privatuniversität. Während die IMC FH Krems und das Centrum ALGATECH dafür sorgen, dass Bakterien bzw. Algen die Seltenen Erden aus dem Elektronikschrott aufnehmen, ist die Donau-Universität Krems Expertin dafür, diese wieder aus der Bakterien- und Algenmasse zu lösen, um die Seltenen Erden wieder als Rohstoffe nutzbar zu machen.

REEgain startete im Sommer 2018 und wird bis Mitte 2022 im Rahmen des Programms „Interreg Österreich – Tschechische Republik“ durch den „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) mit einer Summe von über einer Million Euro unterstützt. „Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre die Arbeit an diesem Projekt nicht möglich“, betont Schild. Da Fachhochschulen in Österreich derzeit über keine Basis-Finanzierung verfügen, ist man auf Drittmittel angewiesen. REEgain ist eines von 60 grenzüberschreitenden Projekten, die derzeit von „Interreg Österreich – Tschechische Republik“ gefördert werden.

→ Hier gibt’s weitere Informationen

Das könnte dir auch gefallen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.