Partnerschaft im Spiegel der Astrologie

von Martina Groer - aus CHI 02/22

Gerade in Zeiten wie diesen, wenn es im Außen unruhig zugeht, sehnt sich der Mensch vermehrt nach einer liebevollen und stabilen Partnerschaft. Man möchte mit seinem Gegenstück in tiefer Verbundenheit zusammen sein. Diese Ergänzung im Außen geht in der Astrologie sehr stark mit der Haltung einher, dass wir im Außen einem Teil von uns selbst begegnen. Man nennt dies Spiegelgesetz.

Das Spiegelgesetz bedeutet, dass wir im Außen (nur) dem begegnen, was in uns vorhanden ist und was sich somit außerhalb von uns spiegeln kann. Nur das, was wir zu einem bestimmten Zeitpunkt in uns tragen, kann im Gegenüber zur Entfaltung kommen. Somit erklärt sich, warum wir zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Menschen in unser Leben ziehen.

Leben bedeutet Entwicklung, und unsere Seele hat sich hier inkarniert, um zu lernen — sowohl allein als auch gemeinsam mit anderen Menschen. Familie und Freunde begleiten uns meist lange auf unserem Lebensweg, bei Partnerschaften kann dies schon ganz anders aussehen. In unserer Zeit kennen wir lebenslange Partnerschaften ebenso wie Lebensabschnittsbeziehungen. Wir erleben Beziehungen heute anders als früher — freier, bewusster, selbstbestimmter.

Im Wort Beziehung steckt das Wort ziehen. Während wir uns natürlich auf unser Gegenüber beziehen, hat doch das Wort auch einen Touch von „aneinander ziehen“. Oft versuchen wir daher, mit unserem Gegenüber das zu lösen, was wir allein in uns nicht verändern können. In diesem Moment beginnt die Projektion im Außen. Und genau hier beginnen die Be-Ziehungsprobleme.

Ich verwende für das Wort Beziehung gerne Partnerschaft oder noch besser Verbindung. Im schönsten Fall verbinden sich zwei eigenständige Menschen miteinander, um gemeinsam einen Entwicklungsweg zu gehen, der noch mehr Möglichkeiten bietet als alleine. Denn alleine können wir weitaus nicht so viel lernen wie mit einem Gegenüber. Grundvoraussetzung einer Herzensverbindung, nach der wir uns alle sehnen, ist, dass wir auch gut allein sein können. Alleins-Sein, also verbunden, mit allem was ist, indem wir erkennen, dass wir nie wirklich einsam auf unserem Seelenweg wandeln.
Das Gefühl des Verbundenseins mit allem, was ist, kennen wir aus der uroborischen Einheit im Mutterleib. Symbolisch bedeutet der Uroborus (auch Ouroborus) die Ursprungseinheit vor der Unterscheidung der Trennung der Gegensätze. Bei den Urvölkern steht dies für die Urvollkommenheit des Anfangs, den Urzustand, in dem es weder Anfang noch Ende gibt. Es beinhaltet das Bild der Unendlichkeit, des Paradieses, der Ureltern und der Ganzheit.

Wenn wir uns rückverbinden können in diese Einheit, aus der wir kommen, empfinden wir ein Gefühl von Verbundenheit mit allen Wesen. Wir fühlen uns erfüllt und ganz. Unsere ganz persönliche Heilung bedeutet Ganzwerdung und das Erleben dieser uroborischen Einheit. In der Astrologie wird dies dem Archetyp Fische mit dem dazugehörigen Planeten, dem Herrscher Neptun (der alte Herrscher der Fische ist Jupiter) zugeordnet.

Das Gefühl, uns in eine romantische Verbindung zu sehnen, ist genau dieses neptunische Einheitsgefühl. Die Idee, auf das richtige Gegenüber zu warten, beinhaltet die Sehnsucht nach der ewigen Verbindung wie Adam und Eva damals im Paradies vor der Trennung durch das Apfelerlebnis.

Die Seele steigt jedoch herab auf die Erde, um hier die Getrenntheit zu erleben. Ständig auf der Suche nach dem fehlenden Teil, sucht sie im Außen das, was sie braucht, um sich im Inneren ganz zu fühlen. Nun sind wir wieder bei dem eingangs beschriebenen Gedanken der Projektion. Der Kreis schließt sich.

Auf der Suche der Seele hier auf Erden nach dem wahren Gegenstück nehmen wir uns astrologisch ein sogenanntes inneres Animus- bzw. Anima-Bild mit. Sucht man ein männliches Gegenstück, tragen wir ein Animus-Bild in uns, ein Anima-Bild hingegen, wenn wir ein weibliches Gegenstück im Außen finden möchten.
Mithilfe der Astrologie kann ich als Astrologin im Geburtshoroskop eines Menschen dieses innere Bild des gesuchten Gegenübers herausfinden. Es bedarf dazu des Geburtstages, der Geburtszeit und des Geburtsortes, um dieses Bild genau skizzieren zu können. Während beim Animus-Bild vorangig Sonne, Mars und das 7. Haus genau angesehen werden, kommen beim Anima-Bild Mond, Venus und das 7. Haus zum Tragen.

Dieses individuelle innere Suchbild erklärt, warum wir genau auf einen bestimmten Menschen zugehen oder diesen in unser Leben einladen. Denn mithilfe des Geburtshoroskops des Gegenübers kann die Astrologie feststellen, wie sehr die Person diesem Suchbild entspricht. Es benötigt dabei jedoch ein großes Maß an Achtsamkeit und der Selbstfürsorge der Horoskopeigner/-innen, um nicht strikten Berechnungen von Konstellationen anheim zu fallen und dem Trugschluss zu erliegen, dass nur derjenige Mensch, der dem Suchbild perfekt entspricht, auch das beste Gegenüber ist.

 

Das Gefühl der Verbundenheit und Erfülltheit in einer Partnerschaft hat auch viel mit unseren Kindheitserfahrungen zu tun. Denn unsere ersten Beziehungen sind jene mit unseren Eltern. Ich möchte hier sehr gerne den Familientherapeuten Bert Hellinger (1925-2019) zitieren, der das System der Familienaufstellungen sehr stark für die Lösung von Partnerschaftsproblemen verwendet hat: „Liebe gelingt auf mehrfache Weise, und diese Weisen hängen miteinander zusammen. Die Grundlage für die Liebe zwischen Mann und Frau, wenn sie gelingen soll, ist die Liebe vom Kind zu den Eltern und von den Eltern zum Kind. Wenn es Schwierigkeiten gibt in einer Paarbeziehung, hängen sie oft damit zusammen, dass das, was die Liebe zwischen Paaren vorbereitet, noch einer Lösung bedarf. Denn in der Paarbeziehung wollen wir das erreichen, was uns vielleicht in der Liebe zu unseren Eltern nicht gelungen ist. Aber es gelingt nicht, ohne dass zuerst die Liebe zu den Eltern fließen kann.“

Nun komme ich wieder zurück zur Projektion. Wir projizieren die ungelösten Themen aus unserem Leben, sei es aus der Kindheit oder aus unseren Erfahrungen aus späteren zwischenmenschlichen Beziehungen, auf das Gegenüber im Außen. Das Spiegelgesetz, das astrologisch dem Archetyp Waage und somit dem 7. Haus in einem Geburtshoroskop zugeordnet wird, zeigt somit auf, wo wir zum Zeitpunkt einer Begegnung in unserer Entwicklung stehen.

Natürlich können wir uns gemeinsam mit unseren Projektionen weiterentwickeln und uns davon entfernen, jedoch benötigt das Achtsamkeit und das Bewusstsein, was und wie wir gerade projizieren. Wenn wir das Gefühl haben, wir drehen uns in der Partnerschaft ständig im Kreis mit denselben Themen, kann dies Rückschlüsse auf Projektionen und ungelöste Themen in uns selbst aufzeigen. Hier kann wiederum mithilfe des Horoskops herausgefunden werden, wie ein Paar einzeln und auch gemeinsam aus diesem circulus vitiosus aussteigen kann.

Neben dem Geburtshoroskop der beiden Partner im Einzelnen kann auch ein gemeinsames Partnerschaftshoroskop, ein sogenanntes Combin, erstellt werden. Ein Combin wird verwendet, wenn es sich um eine verbindliche Beziehung — im Sinne des 8. astrologischen Hauses – handelt. Solche Beziehungen beinhalten eine Ehe, einen gemeinsamen Wohnsitz, gemeinsame Kinder oder auch nur eines davon. Überall da, wo wir uns auf jemanden festlegen, sprechen wir von einer verbindlichen Beziehung.


Den ganzen Artikel findest du in CHI 02/22

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