Mutige Frauen braucht das Land

von Lilly Dippold

Wir Frauen hören und lesen es nun schon seit einer Weile: Jetzt ist die Zeit der Wahrhaftigkeit für uns gekommen. Die Zeit, mutig und ehrlich Stellung zu beziehen, auszusprechen, aufzustehen und Klarheit walten zu lassen.

Vermutlich weiß so manche von uns, dass dies beileibe keine leichte Übung ist. Umso mehr beeindruckt mich heute die Geschichte einer jahrelangen Wegbegleiterin, einer der weisen Frauen unserer Zeit. Als Bewahrerin der Weisheiten über althergebrachte Kräuterkunde und traditionelle Volksmedizin, die oft nur von Generation zu Generation überliefert wird, hat sich Eunike Grahofer über Jahre hin einen Namen gemacht. In vielen Büchern, bei Kräuterwanderungen und in Vorträgen gibt sie dieses Wissen weiter.

Die Waldviertlerin lebt und arbeitet seit vielen Jahren im Einklang mit der Natur, die Brücke zu ganzheitlicher Gesundheit ist damit geschlagen. Und weil ihr Engagement auch ihrer Heimat gilt, und es stets ihre Überzeugung ist, dass nicht nur geredet, sondern auch getan werden muss, war sie in ihrer Heimatstadt Waidhofen an der Thaya auch im Rahmen der Gemeinde als Gesundheitsstadträtin aktiv.

Eunike for president

Als der Bürgermeister aus gesundheitlichen Gründe im vergangenen Jahr sein Amt niederlegte, empfahl er Eunike als seine Nachfolgerin, was auch ringsum viel Zustimmung fand. Ich erinnere mich an ein langes Telefongespräch mit ihr in dieser Zeit, in der sie um eine Entscheidung rang. „Willst du dich wirklich in das bestehende System einklinken?“, hatte ich sie damals gefragt, denn mir persönlich wäre das nicht vorstellbar. Doch Eunike blieb ihren Grundsätzen treu. „Wenn ich etwas verändern kann, dann möchte ich diese Aufgabe annehmen.“ Schon damals hatte sie meine volle Bewunderung.

Heute bekam ich überraschende Post. Die Pressestelle der Stadtgemeinde Waidhofen teilte mit, dass Bürgermeisterin Eunike Grahofer ihr Amt mit sofortiger Wirkung niederlegt. Das offizielle Schreiben kam mit sehr persönlichen Worten:

„Die Zeit für ein konstruktives ehrliches Miteinander ist noch nicht reif. Ich kann meinen eingeschlagenen Erfolgsweg nicht durchziehen, da es an Unterstützung und dem Willen zum politischen Miteinander und dem Willen zum gemeinsamen Wohle unserer tollen Stadtgemeinde mangelt. Mein Stil des Miteinanders wird nicht mitgetragen. … Für die Fortführung von Streitereien und Machtspielen stehe ich nicht zur Verfügung. … Ich wünsche mir für die Zukunft unserer Stadt, dass die politisch beteiligten Personen begreifen, dass wir alle im gleichen Boot sitzen und es eine Kraftverschwendung darstellt, in verschiedene Richtungen zu rudern. Das gemeinsame Wirken zum Wohle unserer Stadt sollte dem Ausleben persönlicher Machtspiele weichen. …”

Ausgespielt

Meine Bewunderung gilt den klaren Worten, die Eunike hier ganz öffentlich findet. Aber auch ihrer Konsequenz, nicht um jeden Preis in einem Spiel mitzuspielen, dessen Regeln nicht ihrer persönlichen Lebensphilosophie entsprechen. Nicht die Macht zu (be)herrschen war ihre Motivation für dieses Amt, sondern die Macht, etwas zum Guten zu verändern. Nicht Titel und öffentliches Ansehen zählen hier, sondern die eigenen Werte und die eigene Überzeugung, die diese mutige starke Frau nicht bereit war, zu verraten.

Damit ist sie für mich nicht nur im parteipolitischen Sinne eine Galionsfigur. Vielmehr setzt sie ein Zeichen für uns alle: Wir müssen keine Spiele mitspielen, deren Regeln unsere Werte verletzen! Danke, Eunike, für deine richtungsweisende mutige Haltung!

 

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