Mehr vom Weniger

von Renate Neuhold

Am letzten verregneten Wochenende bin ich über den Film „Minimalism – a documentary about the important things“ gestolpert. Er hat mich wirklich tief berührt.

 

Es geht darin um den Konsumwahn in vielen Teilen der Erde, was er mit uns macht und um zwei Freunde, die einen anderen Weg gehen. Die beiden jungen Männer waren erfolgreich, hatten alles, was sie jemals haben wollten bzw. was sie haben „sollten“. Jeder um sie herum bestätigte ihnen, dass sie erfolgreich seien.

In Wahrheit waren sie jedoch ziemlich unglücklich. Sie fühlten eine immer größer werdende gähnende Leere in ihrem Leben und überdeckten ihre schwelende Unzufriedenheit mit jeder Menge Konsumgütern, gaben das Geld schneller aus, als sie es verdienten. Sie versuchten, sich den Weg zum Glück zu kaufen und glaubten, eines Tages würden sie das schaffen. Aber das passierte nicht.

Ich glaube, dass es heutzutage sehr vielen Menschen so geht. Wir „belohnen“ uns mit zahlreichen Dingen und das ist irgendwie normal für uns. Es wird nicht hinterfragt, weil es in unserer Kultur und Gesellschaft so üblich geworden ist. Viele denken beim Shoppen auch nicht daran, wie und wo etwas hergestellt wurde, welche und wie viele Ressourcen verbraucht wurden, wie wenig Lohn die Menschen bekommen, die es produzieren – aber das ist wieder ein anderes Thema. So verbringen wir jede Menge Zeit auf der Jagd nach Dingen, die uns am Ende des Tages nicht wirklich dauerhaft zufrieden, geschweige denn glücklich machen. Übrig bleibt eine undefinierbare Sehnsucht nach… tja, wonach eigentlich?

Was macht einen Menschen wirklich glücklich und zufrieden?
Was macht DICH glücklich und zufrieden?

Während der Corona-Zeit wurde häufig eine Rückkehr zur „Normalität“ gewünscht. Aber was genau heißt das? Wieder zurück zu den alten unbewussten Verhaltensweisen? Wieder zurück zum Sachen-jagen, zum Zeugs ansammeln? Viele Menschen brauchen ja mittlerweile schon externe Sachen-Sammellager, weil deren Wohnungen und Keller schon überquellen. Hat man „es geschafft“, wenn man viel besitzt? Gehört man „mehr dazu“, wenn man immer nach der aktuellen Mode gekleidet ist? Ist die Anzahl der Dinge, die man hat, ein Gradmesser für Erfolg und Status oder nur der Schrei der Seele nach Sinn? Die Frage muss sich wohl jeder selbst beantworten.

Wäre es jetzt nicht eher an der Zeit, neu zu denken und Dankbarkeit für das zu zelebrieren, was wir ohnehin schon (meist in rauen Mengen) besitzen? Marie Kondo rät, jedes Kleidungsstück, Buch, Geschirrteil etc. deiner Wohnung in die Hand zu nehmen und sich zu fragen, ob es einen mit innerer Zufriedenheit erfüllt. Und wenn es das nicht tut, dann darf es – nachdem man sich für dessen Dienste bedankt hat – gehen.

Schau dich mal kurz um in deiner Wohnung: Was von den Dingen, die dich umgeben, ist schon längst nur mehr ein Staubfänger? Was davon könntest du getrost weggeben, verschenken, entsorgen, weil es dir ohnehin nichts mehr bedeutet? In der Lehre des FengShui sind zu viele Sachen, die nur herumstehen, geblockte Energie. Das Ausmisten bringt die stagnierte Lebensenergie wieder ins Fließen. Du kennst das sicher: Sobald man unnötige Sachen entsorgt hat, stellt sich ein Gefühl der Erleichterung ein, ein Gefühl der Freude und frischer Energie. Und könnten wir, wenn wir den freigewordenen Platz dann nicht wieder mit neuen Sachen füllen, das Geld und vor allem die Zeit, die wir uns ab sofort ersparen, vielleicht für Sinnvolle(re)s, Glückbringenderes nutzen?

Denn das ist es in Wirklichkeit wonach wir suchen:
Glück, Zufriedenheit, Freude, Lebenssinn –
aber das findet sich nur IN UNS.

Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen mag, dem lege ich den Film „Minimalism“ wärmstens ans Herz. Vielleicht findest du darin jene Antworten, die du gesucht hast. Vielleicht bringt er dich aber einfach nur zum Nachdenken oder vielleicht sogar dazu, etwas zu verändern.

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