Knospen: Lebendige Kraft der Bäume

von Andrea Seisl

Die erste Kräuterwanderung im Jahr ist in meiner  Wildkräuterausbildung immer die Knospenwanderung, die uns zum Kraftplatz der 7 Linden führt. Aber was ist eine Knospenwanderung eigentlich?

 

Im zeitigen Frühling, wenn die ersten Bäume und Sträucher aus dem Winterschlaf erwachen, werden die Knospen von bekannten Bäumen und Beerensträucher behutsam gesammelt, gekostet und dann als Gemmo-Mazerat oder Ölauszug angesetzt. Denn Knospen sind einfach Lebensenergie pur!

In den letzten Jahren schon recht bekannt geworden sind Keimsprossen von Pflanzen wie etwa Radieschen, Brokkoli, Mungobohnen,  Bockshornklee oder Kressen. Auch sie stecken voller Vitalkräfte und schenken uns vor allem in der kalten Jahreszeit die nötigen Vitamine und Mineralstoffe.

Doch viel einfacher ist es, die Knospen von Bäumen oder Beerensträucher zu verwenden. Sie müssen nicht erst gekeimt werden, denn die Natur überlässt sie uns schon gebrauchsfertig als ein wundervolles Geschenk, das noch dazu voller jungem Leben steckt.

Die Knospe, lat. Gemma genannt, ist ein sehr junger Spross von Bäumen und Sträuchern, der von geschlossenen Schutzblättern umhüllt ist, die den Pflanzenembryo vor Wettereinflüssen schützen.

Wir verdanken die Entdeckung der Knospenkräfte dem belgischen Arzt Dr. Henry Pol, dessen Gemmotherapie vor 50 Jahren in Frankreich bekannt geworden ist. Dr. Pol maß den Knospen von Bäumen eine besondere Rolle zu. Er war der Überzeugung, dass der Baum die höchste Entwicklungsstufe in der Flora darstellt. Obwohl er es schafft, ein enormes Gerüst zu entwickeln, kann er sich Jahr für Jahr durch seine Triebspitzen aufs Neue verjüngen. Eines der schönsten Beispiele dafür ist der Olivenbaum. Dieser kann tausende Jahre alt werden, entwickelt dennoch jedes Jahr eine Vielzahl an embryonalem Gewebe und ist somit ein Musterbeispiel für „ewige Jugend“.

Die Gemmotherapie ist eine Methode, bei der Heilmittel aus frischen Pflanzenteilen wie Knospen, Triebsprossen und Wurzelspitzen von Bäumen und Sträuchern eingesetzt werden. Sie werden im Frühjahr geerntet und frisch in einer Mischung aus Glycerin und Alkohol mazeriert. Die Knospen und Sprossen bestehen aus embryonalem Gewebe in voller Entwicklung, in dem die Lebens- und Wachstumskräfte am stärksten ausgeprägt sind. Daneben enthält dieses Embryonalgewebe auch viele aktive Wirkstoffe, die im weiteren jahreszeitlichen Wachstum der Pflanzen nicht mehr vorhanden sind. Die Gemmotherapie geht davon aus, dass das Mazerat aus dem Embryonalgewebe dem Menschen als Vitalisierungs- und Regenerationsmittel dienen kann, da dadurch der Reparaturmechanismus im Körper angeregt werden soll.

Wie wirken Knospen nun auf den menschlichen Körper?

In dieser ersten wertvollen Phase der Entwicklung der Knospen sind die Zellen auf Wachstum und Zellvermehrung programmiert. Das embryonale Gewebe ist jung, gesund und vital. So fördert die Knospe lebendige Prozesse auch in unserem Körper, denn wo Wachstum stattfindet, ist Leben. Bereits in geringen Mengen wirken Knospen regenerierend, entgiftend und harmonisierend auf den menschlichen Körper.

Ein altes Sprichwort besagt: Knospen sammelt man im Fingerhut, Kräuter im Korb und Äpfel im Kübel. Das zeigt schon den behutsamen Umgang mit diesen wertvollem Lebenselixier Knospe.

Nun möchte ich euch einladen hinaus in die winterliche Natur zu gehen und euch einmal ganz bewusst die jugendlichen Knospen der Bäume anzusehen, sie zu spüren oder auch behutsam zu pflücken und zu kosten. Verbinde dich nun mit der jugendlichen, kraftvollen Energie der Knospe, die auch dich verzaubern wird und bedanke dich für dieses wertvolle Geschenk deines Baumes und der energievollen Mutter Erde.

Vielleicht hast du sogar in deinem Garten oder in deiner Nähe Ahorn, Linde, Birke, Eiche, Esche, Fichte, Lärche, Sanddorn, Schwarzpappel, Tanne, Weide, Weißdorn oder auch Wildrose und Johannisbeere, dann kannst du dich besonders glücklich schätzen. Denn das sind schon einige der bekanntesten Pflanzen der Gemmotherapie. Obwohl der Holunder eine der wertvollsten Heilpflanzen ist, wird er in der Gemmotherapie NICHT verwendet, da all seine Teile, außer den Blüten und den gekochten Beeren, giftig sind.

Die Wirkung der bekanntesten Knospen:

  • Ahorn – fiebersenkend, abkühlend
  • Apfel – immunstärkend, gut bei Kopfschmerzen
  • Birke – erneuernd, entgiftend
  • Buche, Eiche, Weide – entzündungshemmend
  • Lärche – erweichend, erwärmend
  • Linde – Schleimhaut beruhigend, fiebersenkend
  • Rosskastanie – venenstärkend, durchblutungsfördernd
  • Schwarzpappel – wundheilend, die Propolis-Knospe
  • Johannisbeere – Immunstärkung pur
  • Wildrose/Hagebutte – Immunstärkung, regenerierend
Du möchtest nun mehr über Knospen und deren Zubereitung als Gemmo-Mazerat für deine eigene Hausapotheke erfahren und auch die Wildkräuter in deiner Umgebung kennen lernen? Dann darf ich dich gerne zu meiner Wildkräuterausbildung 2020 einladen (Start Februar 2020).
Alle Infos dazu online auf www.tcm-naturgenuss.com

Ich wünsche Euch nun eine besondere Zeit der Stille in der ihr Eure Energien mit und in der Natur wieder aufbauen könnt und freue mich auf ein Kennenlernen und Wiedersehen.

Seit nun schon zehn Jahren, darf ich meine Liebe zu Natur und zu den traditionellen Methoden der Gesundheitspflege mit Begeisterung und in großer Dankbarkeit vermitteln.

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