Kinder in der Krise

aus CHI 02/2021

Sie sind unsere Zukunft. Sie sind die, denen wir von der ersten Sekunde an unser Herz schenken. Deren Lachen wertvoller ist, als jede Währung. Die wir um jeden Preis (be)schützen wollen.

Für Mütter und Väter ist im Normalfall nichts wichtiger, als das eigene Kind. Als Elternteil trägt man zusätzlich die Verantwortung für einen anderen Menschen. Irgendwann kommt jedes Kinder in ein Alter, in dem es die etwas »unangenehmeren« Fragen stellt. »Mama, woher kommen die Babys?«, »Papa, was passiert, wenn man stirbt?«. Dann hat man als Elternteil die Verpflichtung, seinem Kind diese Fragen zu beantworten. So wahrheitsgetreu wie möglich. Aber wer hätte gedacht, dass noch viel kompliziertere Fragen auf uns zukommen: Wie erklärt man seinem Kind, was eine Pandemie ist, wieso es nicht mehr aus dem Haus darf, nicht mehr mit Freunden spielen kann? Worauf muss man achten, um zu beruhigen und keine Ängste zu schüren?

Kinder haben ein Recht darauf, zu erfahren, was in der Welt vorgeht!
Mag. Jasmin Ruprecht

Als Erwachsene sind wir dafür verantworlich, unseren Kindern Schutz und Sicherheit zu vermitteln. Sind Eltern selbst verunsichert und ängstlich, färbt das natürlich auch auf die Kinder ab. Wenn man mit jungen Menschen über die Verordnungen oder die Pandemie spricht, ist es deshalb besonders wichtig, Sicherheit zu vermitteln. Denn wenn wir als Vorbilder Ängste entwickeln und Kindern nicht genügend Sicherheit geben können, könnten sie die entstehende Unsicherheit durch Zwangssymptome – den krankhaften Versuch mit der vorhandenen Angst umzugehen – abwehren.

Übermäßiger Medienkonsum wirkt sich auch auf Erwachsene nicht besonders günstig aus. Durch einseitige Berichterstattung belasten wir uns selbst mit zu vielen negativen Nachrichten, für kleine Kinder, die noch keine Schule besuchen, sollten Nachrichten generell tabu sein. Je jünger Kinder sind, desto weniger und eher beruhigende Informationen sollten übermittelt werden. Immer verbunden mit der Botschaft, dass die Erwachsenen sie beschützen.

Besonders wichtig ist es zu beachten, dass unsere Experten-Tipps nur für Kinder geeignet sind, die keine psychischen Vorerkrankungen haben. In anderen Fällen wende dich bitte direkt an unsere Expertin Mag. Jasmin Ruprecht oder an Fachkräfte in deiner Nähe.

Für den Anfang ist es wichtig herauszufinden, was das Kind schon weiß. Schulkinder, die bereits Begriffe wie »tot« und »sterben« kennen, können mehr mit der Bedeutung eines sogenannten Infektionsrisikos anfangen. Aber auch dann hat man als Elternteil die Verantwortung, Kindern die Informationen auf sachliche Weise zu übermitteln und keine Angst zu schüren, erklärt die Kinderpsychologin Mag. Jasmin Ruprecht.

Es ist wichtig, dabei keine Begriffe zu verwenden, mit denen Kinder nichts anfangen können. Von Vorteil ist es beispielsweise, mit einer bereits bekannten Krankheit zu vergleichen. Zahlen, die täglich von Mainstream-Medien veröffentlicht werden, sollten in Relation zur gesamten Bevölkerung gesetzt werden. Es ist wichtig, Kindern zu erklären, dass sich viele Menschen gar nicht erst infizieren werden, und bei vielen, die sich anstecken, nur ein harmloser Verlauf der Infektion auftreten wird. »Das könnte man einem Schulkind beispielsweise leichter erklären, indem man die Zahlen auf die Klasse überträgt, um einen Bezug zu schaffen«, rät Mag. Ruprecht.

 

Wichtig ist es auch, dem Kind zu erklären, dass wir nicht machtlos sind, und dass es Möglichkeiten gibt, um sich zu schützen, wie etwa die Hygienemaßnahmen, die auch Kindern genau erklärt werden sollten. »Bei kleineren Kindern streue ich ganz gern ein bisschen Glitzer auf die Hände, die das Virus verkörpern. Dann lasse ich sie ihre Hände mit Wasser waschen, damit sie sehen, dass der Glitzer so noch vorhanden ist. Beim anschließenden Waschen mit Seife erkennen sie, dass sich Glitzer so leichter entfernen lässt«, erzählt Jasmin Ruprecht aus der Praxis. So verstehen auch kleine Kinder, dass wir nicht machtlos ausgeliefert sind. Mithilfe des Glitzers kann man Kindern übrigens auch recht gut erklären, was passiert, wenn sie sich mit den Fingern ins Gesicht fahren.

Mit dem Glitzer-Trick lässt sich gut erklären (Foto: AdobeStock)

Bei ängstlichen Kindern ist es besonders wichtig, eher zurückhaltend mit Informationen zu sein, was jedoch keinesfalls bedeutet, dass man dem Kind die Wahrheit vorenthalten oder es gar anlügen sollte. Abhängig von Alter und Verfassung sollte man Informationen entsprechend dosieren und kindgerecht über die aktuelle Lage sprechen.

In jedem Fall aber sind Kinder mit ihren Ängsten ernst zu nehmen und ihre Sorgen nicht zu verharmlosen, sondern ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gesehen und verstanden werden. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, zu vermitteln, dass Angst keine schlechte Emotion ist, sie in gewisser Hinsicht sogar etwas Gutes mit sich bringt. Schließlich lehrt sie uns, vorsichtig zu sein und gut auf uns zu achten. Mehr Bedeutung sollte ihr jedoch nicht beigemessen werden. Es gibt daher keinen Grund in ständiger Angst zu leben. »Besonders jetzt ist ein geregelter Alltag für Kinder wichtig, denn Routine vermittelt Sicherheit. Einfache Rituale im Tagesablauf schaffen dabei die nötige Geborgenheit.«

Auch wenn der bisher übliche Alltag gerade nicht mehr möglich ist, kann man sich neue Gewohnheiten im Laufe des Tages überlegen, um dem Kind damit Halt und Sicherheit zu geben.
Kinder mit starker psychischen Widerstandskraft überwinden schwierige Situationen üblicherweise besser als jene, die in ihrer Persönlichkeit bereits leichte Defizite haben.

Doch Eltern haben jetzt nicht nur die Aufgabe auf ihre Kinder zu achten: Auch das eigene Wohlbefinden darf dabei nicht vernachlässigt werden, denn man kann für Kinder nur dann gut sorgen, wenn es einem auch selbst gutgeht!

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