Heilpflanze des Jahres: Brennnessel

Die Brennnessel (Urtica dioica) wurde durch die Jury des NHV Theophrastus¹ zur Heilpflanze des Jahres 2022 gekürt. Wie Heilpraktiker Konrad Jungnickel, Vorsitzender der Jury, mitteilte, war ein Grund für die Wahl, „dass die zutiefst einheimische Pflanze so ungeheuer vielseitig nutzbar ist“.

Von der Brennnessel wird das gesamte Kraut wie auch die Wurzel therapeutisch genutzt.

Paracelsus, der Namensgeber des Vereins, wusste schon vor etwa 500 Jahren: „Wenn man sie kocht und mit Pfeffer oder Ingwer mischt und auflegt, hilft dies bei Gelenkschmerzen.“ Heute ist die gute Wirksamkeit der Brennnessel bei rheumatischen Erkrankungen wissenschaftlich erwiesen, ebenso bei Harnwegsinfekten oder Nierengrieß.

Sie wirkt unter anderem leicht harntreibend, entzündungshemmend, schmerzstillend und immunmodulierend. Die durchblutungsfördernden Inhaltsstoffe der wehrhaften Pflanze sind bereits beim Berühren schmerzhaft zu spüren. Der Stoffwechsel wird angeregt und auch Prostatabeschwerden bessern sich. Erfahrungsmedizinischen Gebrauch finden daneben die Brennnesselfrüchte, so beispielsweise als Mittel gegen Haarausfall, zur Potenzsteigerung oder als allgemeines Kräftigungsmittel.

Die als Unkraut verschriene und meist unbeliebte Pflanze verfügt noch über weitere bedeutende Fähigkeiten. „Sie ist wichtig für ein ausgeglichenes Zusammenspiel der Natur“, erklärt Jungnickel „denn sie ist fast ausschließliches Nahrungsmittel für die Raupen einiger Schmetterlingsarten. Deshalb sollte sie nicht schonungslos aus unseren Gärten verbannt werden.“ Die Vielseitigkeit der Pflanze zeigt sich seit Jahrtausenden auch als Grundstoff für die Papierherstellung, als Faserpflanze zur Herstellung von Kleidung, zum Färben von Wolle oder als Nahrungsmittel in Form von Tee, Suppe oder Brennnesselspinat.

Brennnessel in der Volksmedizin

Die Kräuterexpertin Eunike Grahofer sammelt und bewahrt altes Kräuterwissen aus der Volksmedizin. In ihrem Buch »Wildnisapotheke« (Verlag Freya, € 24,90) hat sie auch zur Brennnessel alte Rezepturen veröffentlicht, wie etwa das »Brennnessel-Pflaster«, bei dem im Mörser zerstoßene junge Brennnesselblätter auf Verstauchungen, Prellungen, Verbrennungen und kleine Wunden aufgelegt wurden.

Ein Aufguss aus möglichst kleinen Brennnesselblättern wurde bei Verschleimung von Lunge und Atemwegen, zur Anregung der Leber und bei inneren Hämorrhoiden getrunken. Äußere Hämorrhoiden wurden mit dem Aufguss betupft.

Auf die leberanregende und harntreibende Wirkung der Brennnessel wird auch im Frühling gerne bei Entgiftungs- und Entschlackungskuren zurückgegriffen.

Im Herbst wiederum lohnt es sich, die Samenstände der Brennnessel zu sammeln. Die reifen Samen sind nicht nur ein Leckerbissen von Mutter Natur auf dem Butterbrot, in etwas Butter angeröstet entfalten sie ein noch intensiveres nussiges Aroma. Sowohl geröstet als auch roh kann man sie über jede Speise streuen.

Denn Brennnesselsamen sind nicht nur kulinarisch wertvoll, traditionell wurden sie schon früh zur Stärkung nach langwierigen Krankheiten, bei Schwächezuständen, Stress und Überlastung, zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und der männlichen Potenz sowie bei Haarausfall gegessen (täglich ein Esslöffel).

 


 

¹Die „Heilpflanze des Jahres“ wird im Auftrag des NHV Theophrastus bereits zum 20. Mal gekürt. Zweck dieser Aktivität ist es, auf Schätze der Natur aufmerksam zu machen und damit traditionelles und modernes naturheilkundliches Wissen weiterzugeben. Auf www.nhv-theophrastus.de gibt es weitere Informationen über Bekanntheit und Nutzung der Pflanze durch die Jahrtausende. 

 

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