Gesunde Füße: Ein Expertenblick in die Tiefe

von Alexandra Meraner

Viele körperliche Beschwerden sind auf eine Fehlhaltung unserer Füße zurückzuführen. Knie- und Rückenbeschwerden, Kopf- und Nackenschmerzen und einiges mehr haben hier oft ihren Ursprung.

Ein kleiner anatomischer Ausflug von Alexandra Meraner, die sich im Bereich Gesundheitsyoga intensiv mit den Füßen und ihrer richtigen Haltung befasst, gibt Aufschluss darüber, weshalb unsere Füße so wichtig für den gesamten Körper und seine Haltung sind. Ein Fuß besteht immerhin aus 28 Knochen, 31 Gelenken, 107 (!) Bändern und Sehnen und 20 eigenen Muskeln! Die kurzen Fußmuskeln ziehen in der Längsachse von der Ferse zu den Zehen. Die Außenseite hat Bodenkontakt, fußinnenseitig befinden sich die Fußgewölbe. Die Zehen werden bewegt, der Fuß wird beim Gehen und Laufen abgepolstert.

Yoga kräftigt genau diese Muskeln und stärkt das Fußgewölbe und somit die anatomisch korrekte Ausrichtung.

Der Fuß und seine Anatomie

Das Fersenbein im hinteren Teil des Fußes ist für die Stabilität zuständig, die drei Keilbeine, die das Fersenbein mit dem Vorfuß verbinden und die Fußknöchelreihe. Die wichtigsten Aufgaben dieser gut abgestimmten Gemeinschaft sind das Abfedern des Auftritts (Stoßdämpfung – Fußsohle), das Halten der Balance (Stabilität – Rückfuß), die dynamische Fortbewegung (Abrollen – Vorfuß) und der Ausgleich von Unebenheiten des Untergrunds (Beweglichkeit – Mittelfuß).

Für entsprechende Beweglichkeit sorgen das obere Sprunggelenk (Beugung und Streckung mit leichter Drehbewegung), das untere Sprunggelenk (komplexe Kipp-Drehbewegung, gleicht Bodenunebenheiten aus), die Mittelfußgelenke (Gewölbeaufbau und Fußstabilität durch spiralige Verschraubung von Vor- und Rückfuß) und die Zehengrundgelenke (Abrollen und abstoßen, Stoßdämpfung).

Dieses höchst durchdachte komplexe System wird durch das Zusammenspiel von vier Muskelgruppen unterstützt, die für optimale Stoßdämpfung, das Absetzen, Abstoßen und Abrollen des Fußes sorgen:

  • Wadenmuskulatur: ist der Motor für Abstoßen und Abbremsen
  • Schienbeinmuskulatur: umfasst den Mittelfuß wie ein Steigbügel
  • Kurze Fußsohlenmuskeln: stützen das Fußgewölbe und verleihen ihm Spannkraft, bei Überdehnung – Plattfuß, bei Verkürzung – Hohlfuß
  • Längs und quer verlaufende tiefe Ballenmuskulatur: unterstützt das Vorfußquergewölbe, Stoßdämpferfunktion – Kraft fürs Abstoßen

Fehlstellungen und Muskelschwäche führt zu unterschiedlichsten Beschwerden

Fehlhaltungen der Beinachse können durch eine schwache Muskulatur in den entsprechenden Halte- und Stützmuskeln und natürlich durch das schwache Fußgewölbe verursacht werden. Hier kann auch eine professionelle Ganganalyse genauere Erkenntnisse bringen. In sehr vielen Fällen hilft die Stärkung, Mobilisierung und auch Dehnung der tiefen Hüftrotatoren, die Beinachse positiv zu verändern. Auch ein Ausgleich der Beinmuskulatur (Gleichgewicht Abduktoren-Adduktoren) kann schon helfen.

Fehlhaltungen der Füße können angeboren sein (Bindegewebsschwäche), sind jedoch meist durch Übergewicht, Über- oder Fehlbelastung erworben, seltener durch Unfälle, Lähmungen oder Rheuma. Auch alte Verletzungen, Bänder- oder Sehnenriss und schwaches Fußgewölbe können Ursache für Fehlstellungen sein wie beispielsweise

  • Plattfuß – angeboren oder erworben, sehr häufig. abgeflachtes Längsgewölbe (von der Ferse bis zum Vorderfußballen), kann zum Abkippen der Ferse oder des Vorfußes zum Außenrand führen, extrem: der Fuß liegt vollkommen flach auf dem Boden auf, Risikofaktoren: dauernde Fehlbelastung, lockere Bänder, schwache Muskulatur, familiäre Veranlagung
  • Senkfuß: Sonderform – Fußlängsgewölbe senkt sich nur unter Belastung, Vorstufe des Plattfußes, Längsgewölbe ist abgesenkt, Muskeln und Bänder sind schwach
  • Hallux – Die Vorfußstatik ist gestört. Das erste Großzehenglied rutscht ab, die lange Streckersehne zieht den Großzeh direkt, dadurch springt der erste Mittelfußknochen auf der Innenseite hervor.

Schmerzhafte Folgen von Fehlstellungen

  • Schmerzen
  • Arthrosen (hauptsächlich in den kleinen Fußgelenken)
  • daraus resultierende Schonmuster im Bewegungsablauf
  • Abnutzungserscheinungen und Fehlhaltungen im Sprunggelenk
  • Veränderung der Rotationsachse im gesamten Bein
  • Beschwerden in Knie, Hüfte, Rücken, teilweise sogar bis zum Nacken

Yoga für den gesunden Fuß

Wichtig für die Fußgesundheit ist eine gut ausgeprägte Muskulatur sowie die ausgewogene Mischung aus Kraft und Flexibilität der Fuß- und Beinmuskulatur.

Regelmäßige Yogapraxis kann für bewegliche Fuß- und Zehengelenke, eine kraftvolle und flexible Fuß- und Beinmuskulatur, gut ausgeprägte Gewölbe und eine gesunde, anatomisch korrekte, Ausrichtung der Beinachse sorgen. Sie bringt vermehrt Aufmerksamkeit auf unsere Füße und ein neues Fuß-Bewusstsein, und sorgt mit der Zeit für eine optimale, gut verteilte Fußbelastung und die optimale Ausrichtung der gesamten Körperachse!

Die wichtigsten Übungen sind das anatomisch richtige Stehen und Gehen. Darüber hinaus ist viel Freiluft für die Füße auf unterschiedlichen Böden hilfreich!

Füße im Selbst-Check:

  • Fußachse: Knicken die Füße ein?
  • wie stehen die Füße nebeneinander?
  • Sind die Zehen schön aufgefächert?
  • Welche Zehen können einzeln bewegt werden?
  • Wie sehen die Fußgewölbe aus?
  • Wie sieht’s mit der Abrolldynamik beim Gehen aus?

 

 

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