Düfte in der Traditionellen Europäischen Medizin

von Mag. Ingrid Karner

Hippokrates und Galenus von Pergamon gelten als Begründer der Humoralmedizin, bei uns in der fast vergessenen Traditionelle Europäischen Medizin (TEM) auch bekannt als 4-Säfte-Lehre.

 

  • Wasser – Schleim – Phlegmatiker – feucht & kalt
  • Luft – Blut – Sanguiniker – feucht & warm
  • Feuer – Gelbgalle – Choleriker – trocken & warm
  • Erde – Schwarzgalle – Melancholiker – trocken & kalt

 

Gesundheit ist in der Humoralmedizin die Harmonie der vier Säfte (Eukrasie), als Krankheit (Dyskrasie) wird eine schlechte Säftemischung oder das Überwiegen eines Saftes bezeichnet.

Ätherische Öle werden vor allem durch Destillation gewonnen, ein alchemistisches Verfahren. Die Alchemisten sahen in der Destillation nicht nur einen äußeren Vorgang, sondern vor allem auch einen geistigen Wandlungsprozess. Paracelsus beschreibt das Wesen der Destillation so: „Durch die Destillation scheidet sich zuerst das Phlegma, dann der Mercurius, dann das Oel, drittens das Harz, viertens der Sulfur und fünftens das Sal. Wenn alle diese Scheidungen durch die spagyrische Kunst geschehen, findet man viele herrliche und gewaltige Arzneien, die innerlich und äußerlich zu gebrauchen sind.“

Bei der Destillation von Pflanzen entstehen zuerst die Monoterpene, dann die Phenole und Phenylpropane und schließlich die Sesquiterpene. Es ist anzunehmen, dass unter „Phlegma“ wasserlösliche Stoffe wie Hydrolate gemeint sein könnten.

Die Zuordnung einer Heilpflanze zu den vier Elementen (bzw. vier Säften) erfolgt in der Traditionellen Europäischen Medizin durch die Signatur (lat. signum, Zeichen), meist nach ihrem Geschmack, aber auch nach anderen Kriterien wie Geruch, Farbe oder Form. Ingrid Karner geht einen anderen Weg. Sie ordnet die ätherischen Öle den Elementen nach der biochemischen Zusammensetzung zu und nicht nach morphologischen Kriterien der Ursprungspflanze.

 

Das Element Wasser | Der Phlegmatiker

Der Phlegmatiker reagiert auf Anforderungen bedachtsam und langsam. Er versucht, sich alles Unangenehme vom Hals zu halten. Er ist sensibel, verletzlich und weicht Auseinandersetzungen aus. Er ist sehr empfindsam, aber Wassermenschen sind dennoch nicht schwach. Die TCM sagt: Wasser gibt nach, aber erobert alles. Wasser löscht Feuer oder wenn es geschlagen zu werden droht, flieht es als Dampf und formt sich neu. Wasser spült weiche Erde fort und wenn es auf Felsen trifft, sucht es einen Weg, sie zu umgehen. Der Phlegmatiker neigt zu Stillstand, sein Bewegungsdrang ist minimal. Er ist ein fürsorglicher Mensch, der sich aber oft einsam fühlt und sich nach Geborgenheit sehnt. Selbstzweifel, triefendes Selbstmitleid und rührseliges Weinen sind für ihn typisch.

  • Riechstift-Mischung für Phlegmatiker/-innen nach dem FruFloRa©-Prinzip:
    6 Tr. Fenchel süß, 4 Tr. Lavendel fein, 2 Tr. Atlas Zeder

 

Das Element Luft | Der Sanguiniker

An sich ist das sanguinische Temperament angenehm, sofern es sich nicht zu stark ausdrückt. Dann schlägt die Leichtigkeit des Seins über in Exzentrik. Sanguiniker unterliegen einem ständigen Wechsel ihrer Gefühle. Sie sind leicht überdreht, hektisch und voreilig. Der Sanguiniker kann nicht still sitzen. Seine Unruhe hält ihn oft die ganze Nacht wach. Er kann seine Umwelt mit seiner Geschäftigkeit zur Verzweiflung bringen und benimmt sich wie ein nervöses Rennpferd. Geistig ist der Luftmensch sehr regsam, neugierig und begeisterungsfähig. Allerdings erlahmt sein Interesse sehr schnell. Auch seine körperlichen Symptome wechseln ständig.

  • Riechstift-Mischung für Sanguiniker/-innen nach dem FruFloRa©-Prinzip:
    6 Tr. Bergamotte, 4 Tr. Palmarosa, 2 Tr. Kiefer

 

Das Element Feuer | Der Choleriker

Überwiegt bei einem Menschen das Feuerelement, kommt es zur Ausbildung einer cholerischen Persönlichkeit. Choleriker reagieren schon bei Kleinigkeiten mit einem Wutausbruch. Ihre Handlungsmuster sind impulsiv und unberechenbar. Sie vertragen keine Kritik, kritisieren andere aber gerne. Wenn Choleriker auf Widerstand stoßen, reagieren sie besonders heftig. Choleriker besitzen eine ausgeprägte Willensstärke, die ihnen zur Durchsetzung persönlicher Ziele verhilft. Sie haben eine übersteigerte Vorstellung von der Bedeutung der eigenen Person. Ihr Lebensstil ist ausschweifend und triebhaft bis zur totalen Erschöpfung.

  • Riechstift-Mischung für Choleriker/-innen nach dem FruFloRa©-Prinzip:
    6 Tr. Litsea Cubeba, 4 Tr. Rosmarin ct. Borneon, 2 Tr. Zimtrinde

 

Das Element Erde | Der Melancholiker

Melancholiker sind schwerfällig, voller Sorgen und ständig am Grübeln. Sie sind still, introvertiert, oft depressiv. Ihr Geist dreht sich um Themen wie Krankheit, Einsamkeit, Alter und Tod. In ihrem Leid wollen Melancholiker allein sein, gleichzeitig haben sie Angst vor Einsamkeit. Sie lieben und brauchen geordnete Verhältnisse und einen geregelten Tagesablauf: pünktlich aufstehen, pünktlich essen, pünktlich schlafengehen. Wenn dies nicht möglich ist, wird das zur leichten Katastrophe. Sie sind verlässliche Ehepartner und Freunde, aber unversöhnlich, wenn es Streit gibt..

  • Riechstift-Mischung fürMelancholiker/-innen nach dem FruFloRa-Prinzip:
    6 Tr. Koriandersamen, 4 Tr. Salbei, 2 Tr. Vetiver
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