Die vier Arten von Mut

von Evi Schwarz

Nicht nur in dieser Zeit des massiven Wandels auf unserem Planeten, sondern eigentlich schon immer, war und ist unsere innere Ausrichtung von großer Bedeutung. Niemand von uns ist außerhalb dieses Gefüges, das die Realität auf Erden erzeugt. Niemand!

 

Jeder Gedanke, jede Absicht, jede Emotion und jedes Verhalten wirkt sich unmittelbar auf das große Ganze aus. Wir sind an einem Punkt des menschlichen Daseins angekommen, an dem wir die große Chance haben, das Erdenleben tiefgreifend zu verändern. Alles um uns unterstützt uns, dass jene Ausrichtung, die wir im Innersten tragen, Wirklichkeit wird. Mutter Erde ist in Aufbruchsstimmung, tiefgreifende Heilung pulsiert aus all ihren Poren und das kosmische Gesetz der Resonanz wirkt stärker als je zuvor.

Gleiches zieht Gleiches an, Ungleiches distanziert sich voneinander. Das eigene Verhalten bestimmt die persönlichen Lebensumstände, dabei fallen alle unechten Masken und das kann chaotisch und schmerzhaft sein. Warum? Die Energien der Erde und des kosmischen Gefüges, die das Bedürfnis nach Gleichgewicht haben, passen nicht zu den Energien, die nicht wahrhaftig sind.

So kann es im eigenen System, aber auch im Kollektiv, zu emotionalen Stürmen kommen. Diese Stürme wollen nichts anderes, als unser Bewusstwerden zu heben. Bisher konnten sich Menschen jahrtausendelang in ihrer Komfortzone durchmogeln und in betäubenden Lebenssituationen verharren, „weil es halt so ist – da kann ich nichts ändern,…“. Die Zeiten des Durchmogelns sind allerdings vorbei – nichts und niemand kann sich von der Kraft, die alles durchfließt, trennen.

Wir können uns erneuern, egal wie unabänderlich die Wirklichkeit erscheint. Heute mehr als zuvor! Übernehmen wir also Verantwortung und weben wir mit an einem neuen Weltbild, an einem friedvollen harmonischen, liebenden und zutiefst wahrhaften Planeten. Werden wir zu mutigen Menschen, die all ihre Fähigkeiten nutzen, um eine neue Wirklichkeit zu kreieren.

Schritt 1

Welche Geschichte von dir erzählst du immer und immer wieder? Dir selbst und anderen? „Das schaffe ich nicht“, „Der Zug ist abgefahren“, „Ich bin zu alt“, „Ich habe nicht genug Geld dafür“, „Ich wurde zu sehr verletzt“ …

Wir alle tragen einen oder mehrere solcher Sätze in uns – unendliche Varianten uralter Themen, in die wir uns unbewusst verfangen. Fakten, die wir selbst aufstellen und die uns daran hindern, unsere wahren Bedürfnisse und Träume zu realisieren. Diese Sätze haben großen Einfluss auf unser Selbstbild, auf unser Verhalten und auf unsere erlebte Wirklichkeit.

In dem Augenblick, in dem wir sie aussprechen oder denken, sind sie für unser Verarbeitungssystem wahr. Auch wenn es um Geschichten geht, die wir vor langer Zeit erlebt haben. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Erinnerungen auf gleiche und intensive Weise in den Verknüpfungszentren unseres Gehirns registriert werden, wie tatsächlich erlebte Ereignisse. Wir stärken somit die entsprechende Nervenbahn, erleben alles durch diesen Filter und frieren damit die Möglichkeit eines wahrhaften Erlebens und Wachstums ein.

Mutig zu sein, bedeutet wertfrei hinzuschauen und herauszufinden, welche Geschichte, welcher Satz, ganz automatisch in dir hochkommt, wenn du etwas erlebst.

Diesen Schritt braucht es, um zum Kern deiner Wahrhaftigkeit vorzudringen. Und er wird dir große Schätze schenken, die dich erkennen lassen, was zu tun ist, damit durch dich dem Frieden, der Harmonie und der Wahrhaftigkeit Leben eingehaucht wird.

Schritt 2

Die vier Arten des Mutes integrieren. Es liegt in der anerzogenen Art des sogenannten zivilisierten Menschen, dass wir meist nur eine Art des Mutes einsetzen. Jenen Mut etwas durchzuziehen oder durchzustehen, etwas zu Ende zu bringen und unseren Verstand einzusetzen, damit wir nicht vom sicheren Weg abkommen, damit wir überleben. Die nativen Völker Südamerikas bezeichnen diesen Mut als Schlangenmut, der nützlich ist, wenn wir auch die weiteren Facetten der unterschiedlichen Arten des Mutes integrieren.

Das enorme Sicherheitsbedürfnis darf abgelegt werden und unsere Gesinnung darf sich auch den anderen Arten zuwenden. Dann, wenn wir uns aufmachen wollen, aus den Sümpfen des trägen und unechten Lebens auszusteigen. Wenn wir das Beste von uns in die Welt bringen wollen und dadurch auch die Welt wandeln.

Der Mut des Spirits, der Adler-Mut, der Mut der Seele, Kolibri-Mut und der Mut des Geistes – Jaguar-Mut, dürfen mit dem Mut des Körpers, dem Schlangen-Mut, in einheitlicher Harmonie tanzen.

Adler-Mut

Hier webt die Kraft der Ganzheit. Wir fühlen, sehen und leben Ganzheit. Wir wissen, dass wir uns alles, was wir erleben ausgesucht haben, um daran zu lernen und um mitzuweben an einer harmonischeren Wirklichkeit. Wir wissen, dass es eine ewige und unendliche Kraft gibt, die alles durchfließt und die uns ihre kreativen Impulse schickt, um eine bestimmte Herausforderung zu meistern.

Wie der Adler breiten wir unsere Flügel aus und lassen uns ohne Wenn und Aber ins Unbekannte fallen. Wir halten nicht fest an Sicherheitsstrukturen, sondern vertrauen darauf, dass sich ungeahnte Möglichkeiten zeigen werden.

• Löse dich von deiner Geschichte. Vom Bedürfnis anerkannt, gesehen, geliebt zu werden und sicher zu sein. Von all den Vorstellungen, wie dein Leben und das Leben auf der Erde sein soll. Vom Filter, wie andere dich wahrnehmen sollen und von dem, was unmöglich ist.
• Mach dich leer, fühle dich in Harmonie mit allem Leben – singe, summe, tanze, sei still, flieg wie der Adler ohne Ziel, Anhaftung, beschränktem Denken und Bewertung mit dem Atem des Windes.
• Empfinde dich als kreatives Genie. Mach dich weit in diesem Gefühl, um die Impulse des Großen Ganzen zu empfangen und undefinierte neue Möglichkeiten geschenkt zu bekommen.
• Lass zu, dass eine universelle Kreativität durch dich wirkt, die über alle Begrenzungen deines Verstandes und deiner bisherigen Empfindungen hinaus reicht.
• Lass dir dazu ausreichend Zeit, bis du betrunken bist von dieser universellen Kreativität.

Kolibri-Mut

Hier sind wir beflügelt von unserer Seele und von der Kraft des Entdeckens und Wachsens. Wir erkennen Wachstumsschmerzen und entdecken mit beseeltem Mut die Entdeckungsreise darin. Dort wo es schmerzt, wo es eng und herausfordernd ist, erinnern wir uns daran, dass wir inkarniert sind, um zu wachsen. Und wir gehen mit Zuversicht in diese äußeren und inneren Umstände hinein. Wir sind uns unserer lichtvollen Macht bewusst, dass uns Schwächen die Möglichkeit bieten, sie in Stärken zu verwandeln. Der Kolibri ist ein Tier, das wie die Hummel, aus aerodynamischer Sicht eigentlich nicht fliegen kann …

• In welcher Lebenssituation hast du das Gefühl, nicht fliegen zu können? Wo fällt es dir schwer, den Mut der Seele aufsteigen zu lassen? Wo befriedigst du innere Unzufriedenheit damit, dass du umziehst, neue Partner oder einen neuen Job wählst oder unzählige Sportarten ausprobierst? Wo schimpfst du über andere oder ein System, verwendest du Ausreden und Beschuldigung für dein inneres Ungleichgewicht? Welche Erklärungen formulierst du selbst, weil du mit bestimmten Situationen einfach nicht glücklich und wahrhaft sein kannst?
• Mach dich für dich selbst nackt zu diesen Fragen. Schau mutig dorthin, was da jetzt in dir hochkommt. Ohne es zu bewerten. Erkenne die Bedeutung, die du diesen Dingen gegeben hast.
• Atme all diese Geschichten und Fakten von dir aus. Und verabschiede dich von dieser uralten Faktensammlung.
• Fühl dich frei, deine Geschichte neu zu erzählen. Eine beseelte Geschichte, eine liebende Geschichte, die Unmögliches verändert. Ein heiliger Traum, der wahrhaft bewegt, der liebt und alles in und um sich unzensuriert wachsen lässt.
• Nimm deinen seelischen Mut mit in den Tag, suche kompromisslos das Gute und nähre es.

Jaguar-Mut

Wissend, dass wir genau die Personen gewählt haben, die jetzt in unserem Leben sind, nehmen wir den moralischen und emotionalen Jaguar-Mut zusammen und begegnen den Menschen in unserem Sein neu. Unser Verstand hilft uns dabei, unsere eigenen Wahrheiten zu vertreten – egal ob andere dafür empfänglich sind oder nicht. Wir tun dies auf gute Art und Weise, die stets auch die Wahrheit des anderen ehrt. Dieser Mut erhebt sich aus der Angst vor Ablehnung, Spott und Kritik. Er riskiert alles dafür, sich nicht davonzuschleichen, zu verbiegen und sich selbst zu verraten.

Wir können Fehler zugeben, wir fühlen uns vom Verhalten anderer nicht kritisiert oder angegriffen und bauen heile Brücken zwischen Dualitäten, indem wir die Moral beider Seiten sehen, ohne jemand auf unsere Seite ziehen zu müssen.

• In welchen Situationen fühlst du dich unfrei, verletzt, unterdrückt, betrogen? In welcher Situation bist du zu anspruchsvoll – hast bestimmte Erwartungen an andere von denen du nur schwer abweichen kannst? In welcher Weise beeinflussen dich Meinungen von anderen? Wo leidest du unter dem Verhalten anderer?
• Erkenne deine wahren Emotionen dabei und prüfe, ob sie hinderlich oder förderlich sind.
• Erkenne, dass du nicht unter etwas leidest, sondern dass du die Opferrolle in einem Drama eingenommen hast.
• Steig aus dieser Rolle aus und beginne anders zu denken. Gib deine Selbstkritik, die du anderen zugeschoben hast, und deine Gefühle ehrlich zu und vergib den beteiligten Personen (gedanklich oder persönlich).
• Erlaube dir aus eingefahrenen Denkbahnen auszubrechen, lege alle Feigheit ab, die dich in Opferrollen oder in Kritikerrollen manövriert hat. Und versteck dich nicht länger hinter Situationen, Personen, Ausreden und Kritiken.
• Nimm eine Situation, in der deine Wahrheit kritisiert wird, und erstelle mit deinem Verstand ein neues Bild – eines indem sich beide Seiten die Hände reichen.
• Begegne jedem Menschen von nun an mit dem Herzen – egal was aus seinem/ihrem Mund zu dir dringt. Und entscheide dich dafür, von nun an deinen Herzensweg zu gehen.

Schlangen-Mut

Mit dem Schlangen-Mut bringen wir die anderen drei Formen ganzheitlich in die Umsetzung: Wir beginnen entschlossen zu handeln, nachdem wir die anderen Arten des Mutes in uns selbst verinnerlicht haben. Nachdem wir diese neue Realität in uns erträumt haben, gehen wir es jetzt fokussiert an. Schlangen-Mut führt und geht unsere wahrhaften Schritte auf Mutter Erde.

Schlangen-Mut ist nicht emotional: Es gibt ein Thema, wir handeln mit aller uns innewohnenden Kraft aus dem Instinkt heraus, es ist gelöst. Punkt. Er ergötzt sich weder an gesellschaftlicher Stellung noch hält er an Sicherheiten fest – er ist die instinktive Tatenkraft die Visionen verwirklicht, wie beispielsweise die Pioniere.

• Ehre den Schlangen-Mut in dir und erlaube ihm, sich aus dem Sicherheitsdenken und alten überlieferten Abläufen hinaus zu häuten und aktiv in seinem instinktivem Ursprung zu wirken.
• Erkenne an, dass du sicher bist! Dass du geführt bist! Und es wagst, den Impulsen in Taten zu folgen.
• Und sieh, wie der Adler-Mut, der Kolibri-Mut, der Jaguar-Mut und der Schlangen-Mut in vollständiger Harmonie um dich tanzen.

Wenn wir es verstehen, die anderen drei Arten des Mutes wieder in unserem Leben zu etablieren, dann wird der Adler dir neue Ideen schicken, der Kolibri dein Herz in Einheit tanzen lassen, der Jaguar Mitgefühl dir selbst und anderen gegenüber bringen und die Schlange dich mit Umsetzungskraft nähren.

Persönliche Integrität und ein wahrhaftes harmonisches Miteinander werden damit durch dich und mit dir auf Erden Realität. Durch regelmäßige Pflege aller vier Ausrichtungen, kann uns dies gut gelingen.

AHO MITAKUYE OYASIN


Aus CHI 05/21

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