Ayurveda: typgerecht essen

von Rita Longin

Die Ernährung ist eine der Säulen der Gesundheit des Ayurveda, der aus Indien stammenden Jahrtausende alten Gesundheitslehre. Die Ayurveda-Expertin Rita Longin erklärt, wie typgerechtes Essen mit dem Wissen des Ayurveda funktioniert.

Das Ayurveda kennt drei Doshas, die es uns ermöglichen, unsere Ernährung auf unsere ganz individuellen Bedürfnisse abzustimmen:

Vata – Bewegung & Luft

Vata ist das Bewegungs-Dosha des Ayurveda. Die Eigenschaften von Vata sind leicht, kalt, fein, trocken und rau, daher ist es ein subtiles und bewegliches Dosha. Im Ayurveda wird Vata als das Wind-Dosha bezeichnet.

Personen, die viel Vata in sich tragen, sind spontan und wechseln oft ihre Interessen und Vorlieben. Kreativ und voller Ideen arbeiten sie ständig an mehreren Projekten gleichzeitig. Dadurch entsteht häufig Chaos, da Vatas schwer den Überblick behalten können. Vatas sind sensibel und besitzen viel Einfühlungsvermögen. Außerdem reden sie sehr gerne und viel. Sie frieren leicht und leiden meist unter kalten Händen und Füßen, Wärme ist daher für sie ein Muss! Kaltes windiges Wetter können sie überhaupt nicht ausstehen.

Hat sich zu viel Vata angesammelt, zeigt sich das in jeder Menge Unruhe, Ängstlichkeit, Sorgen, Schlafproblemen, Erschöpfung, Lärmempfindlichkeit, Verstopfung und Blähungen.

Um Vata in der Balance zu halten, ist es in Punkto Ernährung wichtig warm zu essen und zu trinken. Als Frühstück eignet sich ein warmer Getreidebrei mit gedünstetem Obst oder Kompott. Mittags bieten sich Suppen, Eintöpfe oder Currys an. Auch abends sollte warm gegessen werden: eine warme Suppe und Getreide helfen der Verdauung. Als Getränke eignen sich warmer Tee und warmes Wasser. Wurzelgemüse (Karotten, Pastinaken, rote Rüben, Sellerie, Kartoffeln) und süßes Gemüse wie Kürbis erden die umtriebige Vata-Persönlichkeit.

Bei hohem Vata sollte Rohkost (wie z.B. Salate), Trockenes (wie z.B. Reiswaffeln, Knäckebrot oder Cracker) und Kaltes möglichst gemieden werden.

Pitta – Hitze & Feuer

Pitta ist das Prinzip der Transformation im Ayurveda. Pitta ist gekennzeichnet von Hitze, brennendem Gefühl im Körper und Geruch. Es ist das heiße dynamische Feuer-Dosha des Ayurveda.

Personen, die viele Pitta-Anteile in sich haben, übernehmen gerne die Führung und wollen ihre Ansichten durchsetzen. Sie sind ehrgeizig und lieben es, Projekte durchzuziehen und dabei erfolgreich zu sein. Sie lieben Genauigkeit, Effizienz (nur kein Herumgeschwafel oder Zeit vergeuden) und Planung.

Hat sich zu viel Pitta angesammelt, zeigt sich dies in übermäßiger Hitze und Schwitzen, Sodbrennen, Magenschmerzen, hitzigem Gemüt oder Ungeduld.

Um hohes Pitta auszugleichen, solltest du in der Ernährung darauf achten, nicht zu scharf zu essen und hitzige Gewürze wie Chili, Pfeffer, Ingwer oder Zimt zu meiden. Zu viele saure Lebensmittel wie Zitrusfrüchte, Fermentiertes (wie Sauergemüse oder fermentierte Milchprodukte), Essig oder Tomatenprodukte können ebenso Probleme bereiten. Pittas sollten regelmäßig bitteres Blattgemüse/-salat (Spinat, Mangold, Endivie, Radicchio, Chicoree) in ihre Ernährung einbauen.

Kapha – Stabilität & Erdung

Kapha ist das Stabilitätsprinzip im Ayurveda. Die Eigenschaften von Kapha sind langsam, schwer, ölig, glatt und weich. Kapha hat daher sehr viel Erdung in sich und wird im Ayurveda als das Erd-Dosha bezeichnet.

Kaphas sind sehr ruhige, gelassene und geduldige Persönlichkeiten, denen die Beständigkeit und Routine sehr wichtig ist. Neuem stehen sie eher ablehnend gegenüber. Sie kommen schwerer in die Gänge, haben aber meist ein gutes Durchhaltevermögen.

Hat sich zu viel Kapha angesammelt, zeigt sich dies in einem Gefühl der Schwere, Trägheit bis hin zur Depression. Bei hohem Kapha können sich auch Verschleimungen oder Wassereinlagerungen zeigen.

Um ein hohes Kapha mit Ernährung auszugleichen, sollte warm, leicht und anregend gegessen werden. Kapha darf scharfe und stoffwechselanregende Gewürze (wie Pfeffer, Chili, Ingwer und Zimt) einsetzen, genauso wie bittere und herbe Kräuter (Petersilie, Schnittlauch, Oregano, Salbei). Sehr gut, um den trägen Stoffwechsel des Kaphas anzuregen, eignet sich Ingwertee oder heißes Wasser. Alles, was schwer und fettig ist, wie Süßigkeiten, Süßspeisen oder Frittiertes sollte Kapha hingegen vermeiden.

Die eigene Ernährung an das vorherrschende Dosha anzupassen hilft uns, wenn wir aus der Balance geraten sind, wieder ins Gleichgewicht zu kommen und so unsere Gesundheit wiederherzustellen. So können wir uns über die täglich zugeführten Lebensmittel wirklich nähren und in unsere Kraft kommen.


Über Rita Longin

Rita Longin ist diplomierte Ayurveda-Wohlfühlpraktikerin, Ernährungswissenschafterin und Yogini. Nach vielen Jahren in der „klassischen“ Ernährungswissenschaft hat sie den Ayurveda für sich entdeckt. Das Individuelle, auf das Ayurveda so großen Stellenwert legt, ist für sie sowohl in der Ernährung als auch in der Lebensgestaltung eine große Bereicherung geworden. Rita liebt die Gesundheitsdefinition des Ayurveda: Gesund bist du, wenn du dich vollkommen wohl fühlst und in deiner Kraft bist – nicht nur in Abwesenheit von Krankheit. Sie gibt Kochkurse, Workshops und ayurvedische Anwendungen in Wien und Stockerau (NÖ) und bietet auch ayurvedische Online-Ernährungsberatung an.

Grafiken: Marina Demidova/AdobeStock
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