18.9.: Tag des Erdapfels

Schlechte Zeiten für dicke Knollen

Die heimischen Erdäpfel sind an ihrem Ehrentag zu Höchstform aufgelaufen und trotzdem wollen wir sie nicht: Übergroße Kartoffeln werden dieses Jahr besonders häufig geerntet, finden bei Konsumentinnen und Konsumenten jedoch wenig Anklang. Der Verein Land schafft Leben zeigt Lösungen auf.

 

Jedes Jahr fällt die heimische Ernte etwas anders aus: Mal sind die Erdäpfel größer, mal kleiner. Qualitativ und geschmacklich besteht da kein Unterschied. Trotzdem wollen die Supermärkte sie nicht in ihren Regalen anbieten, weil die Konsument/-innen angeblich keine übergroßen Exemplare wollen. Sie gelten nämlich mit über 65 Millimetern schon als zu groß, die Norm liegt bei etwa 30 bis maximal 65 Millimetern.

Üblicherweise finden die „übergroßen“ Erdäpfel dann den Weg in die Gastronomie. Doch die von der Pandemie gebeutelte Branche hat heuer aufgrund der gesunkenen Gästeschar weniger Bedarf.

Warum die Erdäpfel heuer größer sind

Das Frühjahr 2020 war sehr trocken, weshalb die Kartoffelpflanze auf Sparflamme arbeitete und nur wenige Knollen ausbildete. Ab Juni gab es wieder mehr Regen, was das Wachstum forcierte. Diese klimatischen Bedingungen fand man vor allem in Niederösterreich, wo immerhin 81 Prozent der heimischen Kartoffeln wachsen. In anderen Regionen war es für die Landwirtschaft leichter, mittelgroße oder kleine Kartoffeln zu ernten. Die niederösterreichischen Bäuerinnen und Bauern haben dafür das Nachsehen und beißen „in den sauren Erdapfel“: Laut der Landwirtschaftskammer Niederösterreich bekommen sie statt 12 Cent pro Kilo mittelgroßer Kartoffeln, nur zwischen 5 und 8 Cent für die übergroße Exemplare.

Import und Pflanzenschutz

Kann die österreichische Landwirtschaft ihre übergroßen Erdäpfel nicht im Inland zu einem rentablen Preis verkaufen, gehen diese in den Export. Da der Markt jedoch somit den Hunger auf die goldenen Knollen noch schlechter mit heimischen Kartoffeln stillen kann – die Eigenversorgung liegt mit 83 Prozent ohnehin unterhalb der Hundertermarke – wird vom Handel vermehrt auf importierte Ware zurückgegriffen.

Das Resultat: In Supermärkten gestapelte Säcke mit mittelgroßen Kartoffeln aus anderen Ländern, die in der Regel weniger strenge Pflanzenschutzrichtlinien befolgen müssen als österreichische Bäuerinnen und Bauern.

 

Was tun?

Verändern wir als Konsumenten doch unsere Ansprüche und sehen wir die Erdäpfel als Naturprodukt, das sich an keine Norm zu halten hat, sondern eben jedes Jahr eine etwas andere Charakteristiken mit sich bringt. Bis wir damit die Supermärkte zum Umdenken gebracht haben, können wir ab Hof zu den dicken Knollen greifen und sie an ihrem Ehrentag zum Beispiel mit selbstgemachten Ofenkartoffeln feiern!

Quelle: Land schafft Leben

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